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Ein echter Fortschritt

 

Nanny des Monats Januar 2010:
Europäisches Komitee für Normung 

„Das Europäische Komitee für Normung (…) ist eine private, nicht gewinnorientierte Organisation, deren Mission es ist, die Europäische Wirtschaft im globalen Handel zu fördern, das Wohlbefinden der Bürger zu gewährleisten und den Umweltschutz voranzutreiben“, steht bei Wikipedia zu lesen. Völlig überraschender Weise brütet ein solches Wohlfahrtskomitee, das zudem den Begriff „europäisch“ im Namen führt, auf seiner Mission gern mal etwas aus, das jenen, denen es helfen soll, nicht nur nichts nutzt, sondern ihnen sogar schadet.

Wie etwa das Verbot der Beförderung von Kinderwagen auf Rolltreppen, welches diesen Monat in Kraft trat. Rolltreppen entwickelten sich in Europa vor rund einem halben Jahrhundert von einer nicht selten bestaunten Rarität zu einem Alltagsgegenstand. Millionen Kinder sind, so darf man wohl vermuten, in ihren Wagen über Rolltreppen transportiert worden. Doch nun erst erfahren wir, welch absolut tödlichem Risiko sie dabei ausgesetzt wurden – und wundern uns natürlich nicht, weshalb dennoch schätzungsweise 99,9 Prozent von ihnen den Rolltreppentransport überlebt haben. Wie wir uns ja auch nicht wundern, weshalb die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge größtenteils groß wurden und bis heute leben, obwohl sie während ihres Aufwachsens doch allüberall den absolut tödlichen Gefahren des Passivrauchens ausgesetzt wurden. Nur mal als Beispiel.

Nein, liebes Europäisches Komitee für Normung, daß Kinderwagen über Rolltreppen transportiert werden, darin hast Du jetzt endlich einen Mißstand erkannt. Einen, den es sofort zu bekämpfen gilt – im Gegensatz zu vielen wichtigen Mißständen. Vielleicht hatten europäische Bürokraten auch einfach mal wieder Langeweile. Oder das Rolltreppensicherheitsreferat des Amtes Soundso in der Behörde Hm-hm-hm des Kommissars XY mußte mal wieder seine Existenzberechtigung nachweisen. Nachdem irgend jemand von des Referates Existenz erfahren hatte.

Werden fortan also keine Kinderwagen mehr über Rolltreppen transportiert? Vermutlich nicht. Denn eine Alternative in Gestalt eines Aufzugs steht nicht immer bereit, seine Benutzung dauert in der Regel länger. Auch findet sich nicht stets eine helfende Hand, um den Kinderwagen mühsam über die Treppe(n) zu tragen. Von der Frage, ob dies sicherer ist, mal ganz zu schweigen. Was sich aber wirklich verändert hat: Wenn künftig ein Kind im Kinderwagen auf einer Rolltreppe verunglückt, ist deren Betreiber fein raus. Und auch eine etwaige Unfallversicherung der Kinderwagenschieber(in) kann bequem darauf verweisen, daß in diesem Falle doch ganz eindeutig Eigenverschulden vorliege.

In fünf, zehn Jahren, wenn einige, entsprechend mittellos dastehende Opfer ihren Weg in die Medien gefunden haben, wird das Verbot dann wieder aufgehoben – natürlich mit entsprechendem Getöse und Klopfen auf die eigene Schulter. Und „Europa“, seine Bürokraten und die Politiker hätten wieder einmal bewiesen, wie wichtig, geradezu unentbehrlich sie doch geradezu sind. Daß sie wirklich etwas tun. Für das Wohl des Volkes.

Und deshalb weist uns, gerade weil er jüngst wieder abgeschafft wurde, der Krümmungswinkel der EU-Einheitsgurke den Weg in eine glorreiche Zukunft:

Vorwärts im Sinne der Beschlüsse der Europunion!

 

 

 

 

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