Kennen Sie noch die Nummer mit dem Fleisch in der Cola?
(15.8.07) Kennen Sie noch die Nummer mit dem Fleisch in der Cola? Kaum einem Menschen, der in den Nachkriegsjahrzehnten aufgewachsen ist, wurde diese nicht irgendwann geboten. Entweder durch Vorführung oder Bericht. Oder wenigstens Hörensagen. Da ging es um ein Stück Fleisch, welches in Cola gelegt wurde und, ei der Daus, nach soundsovielen Tagen angefressen war.
Das sollte dann beweisen, wie ungeheuer schädlich, geradezu gemeingefährlich gesundheitsgefährdend, braune Brause ist.
Natürlich läßt sich dies nicht grundsätzlich ausschließen. Nur: Weit über hundert Jahre nach ihrer Markteinführung und nicht zuletzt in Anbetracht ihrer weltweiten Verbreitung müßte Cola, wenn sie denn so gefährlich wäre, mittlerweile die halbe Menschheit ausgerottet haben und Magenkrebs zu den häufigsten Todesursachen gehören.
Freilich hätte man das tote Fleisch genauso gut einige Tage in die Sonne legen können. Und die dann beschleunigte Verwesung, samt Gestank, zum Beweis dafür erklären, daß Sonnenstrahlen tödlich sind. Weshalb sich Menschen von Tageslicht fern halten sollten.
Man weiß nicht, ob man die Naivität dieser Vorführung rührend finden oder als Beleidigung für die Intelligenz des Adressaten betrachten soll. In jedem Falle steckt natürlich zweierlei dahinter: Der Versuch, auf doch recht plumpe Weise (um-) zu erziehen. Und der Glaube, etwas ganz Schockierendem auf die Schliche gekommen zu sein, welches bislang geheimgehalten wurde. Natürlich von der teuflischen Weltverschwörung hinter welcher wahlweise auch – na, Sie wissen schon – stecken.
In dieser Tradition gibt es von schlichten Gemütern für schlichte Gemüter auch etwas Zeitgemäßes, zu finden natürlich auch im Internet, etwa bei Videoportalen. Hobby-Weltverbesserer und Gelegenheits-Enthüller führen dort, vor laufender Kamera, Erschütterndes vor: Sie halten sich ein Tüchlein (oder ähnliches) vor Mund und Nase und atmen durch dieses aus. Und dann beweisen sie wahren Todesmut, ziehen an einer Zigarette, und blasen den Qualm durch ein anderes Tüchlein (oder ähnliches). Und sehet! Wo der Qualm hindurch geblasen wurde, ist nun eine bräunliche Verfärbung erkennbar. So höret, Schwestern und Brüder: Tabakrauch enthält – äh, ja: Rauch. Von Tabak.
Neuerlich erzeugt das simpel gestrickte Gemüt Rührung. Erwartet es doch ernstlich, daß ich angesichts dieser Erkenntnis sofort das Rauchen einstelle. Lebenslang. Und ich frage mich: Soll ich den kleinen Geist wirklich in ärgste Verwirrung stürzen? Indem ich ihm sage: Klar ist im Tabakrauch Nikotin und Teer und was nicht sonst noch. Deshalb rauche ich ja. Wenn ich bloß heiße Luft einatmen wollte, würde ich mir einen Fön vor die Fresse halten.