Hallo Zapp!
(28.3.07) Wenn Ihr Euch mal gerade nicht in Beweihräucherung der ARD ergeht oder Reklame für Euren Liebling Niggemeier macht, bietet Eure Sendung ja stellenweise ganz überzeugende Journalismus- imitationen.
Völlig mißglückt ist Euch eine solche aber, in verständlichem ideologischem Eifer, als Ihr Euch heute anschicktet, einer staunenden, schockierten, bis dato gänzlich ahnungslosen Öffentlichkeit die finsteren Machenschaften der Tabakindustrie zu enthüllen.
Ich zitiere aus der Anmoderation (so wiedergegeben auf Eurer Website): „Seit Jahren schon müht sich die mächtige Tabaklobby um beste Kontakte zu Journalisten – mit allen Mitteln. Auf unliebsame Berichte reagiert sie mit Druck, streicht Werbeanzeigen, bringt Juristen in Stellung.“
Oh ja, vor dem Terror der Tabakindustrie und ihrer Weltverschwörung zittert die ganze Branche! Die gesamte Journalistenzunft, stets nur der Wahrheit und Vernunft verpflichtet. Und der kritischen Distanz, versteht sich. Wie todesmutig sie ist, erkennt man daran, daß hin und wieder doch ein Bericht durchschlüpft, in dem darauf hingewiesen wird, daß das Rauchen eventuell ungesund sein könnte. Aber eben nur ganz vereinzelt. Denn meist, da wird der Tabakgenuß in den rosigsten Farben dargestellt. In allen Blättern, auf allen Kanälen.
Ja, so ist das.
Mensch, was seid Ihr für furchtlose Kämpfer bei Zapp, daß Ihr Euch diesem Drachen, ach was: dieser neunköpfigen Hydra entgegenstellt!
„Chefredakteure, Verlagsleiter und politische Korrespondenten“ habt Ihr ausgemacht bei einer Veranstaltung der Händler des Todes, der Kolporteure des Elends, der Schergen des Verderbens. Aber auch eine tapfere Schar von Gegendemonstranten – welche, angesichts des festen Würgegriffs, in welchem die Tabaklobby unsere Gesellschaft hält, so mutig sein müssen wie Regimegegner in China, Zimbabwe oder Rußland. Mindestens.
Und dann habt Ihr auch noch einen Professor aufgetan, der weiß, daß nur die schönen Reklamebilder dafür verantwortlich sind, daß Menschen rauchen statt zu erkennen, daß dies „eine scheußliche, eine übelriechende Angelegenheit ist, die einem erst Sucht, dann Krankheit und den Tod bringt”. Woraus folgt, daß zwangsläufig niemand mehr rauchen wird, wenn die Reklame dafür erstmal verboten ist. Und daß schon heute kein einziger Blinder dem Tabak frönt.
Augenscheinlich soll der unglaublich objektive, gänzlich unvoreingenommene Akademiker Eure Argumente untermauern. Als wenn das nötig wäre. Denn wie sehr die Politik, die Medien, die Öffentlichkeit, die ganze Gesellschaft nach der hypnotischen Pfeife der Tabakindustrie tanzen (Euer Professor: „Sie sind eine große Tötungsindustrie, da ist kein Zweifel dran.“ – Ja, SCHLIMMER ALS DIE NAZIS! Wenn das möglich wäre.), das sieht man schließlich Tag für Tag: Ein positiver Bericht über den Tabakkonsum nach dem anderen, ein raucherfreundliches Gesetz jagt das nächste.
Ein Herr vom Satireblatt „Der Spiegel“ hat sogar herausgefunden, daß der Vorstandsvorsitzende von Reemtsma einen Brief an alle Bundestagsabgeordneten geschrieben hat! Daß sowas noch erlaubt ist, belegt die skandalösen Zustände in unserem Land! Man sollte derlei schleunigst verbieten – letzteres ist momentan ja ohnehin groß in Mode.
P.S.: Wenn die Bösewichter so spendabel sind: Hallo, Tabakindustrie! Meine Kontonummer ist – nee, man darf schlichte Gemüter nicht noch in ihrem putzigen Weltbild bestärken. Auch wenn alles andere ihr Gehirn zum Qualmen bringen könnte. Und wie man immer wieder sieht, darf bei gewissen Zeitgenossen nicht einmal der Kopf rauchen.