Hier besteht dringender Handlungsbedarf!
(25.3.07) 15jährige Berlinerin mit 4,1 Promille ins Krankenhaus eingeliefert, kreischen die Medien.
Ja, schlimm.
Und was sagt uns das jetzt?
Mit ihren fünfzehn Jahren hätte an die junge Dame gar kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden dürfen, nicht mal Bier oder Wein. Dem Vernehmen nach hat sie mit anderen Jugendlichen gemeinsam gepichelt. Und als sie dann betrunken von der Parkbank fiel (oder so) und sich die Nase stieß, wurde von einer Freundin die Feuerwehr alarmiert.
Offenbar bestand also wenig Grund zu der Befürchtung, die Volltrunkene könnte hilflos im Park liegen bleiben oder gar erfrieren. Zudem soll sie bereits in einer Einrichtung für betreutes Wohnen leben. Wenn überhaupt, könnte man fragen, ob die dortigen Sozialarbeiter oder wer immer dafür zuständig ist, versagt haben. Und ansonsten: Ja, so ist das eben – Jugendliche machen manch Blödsinn, unter anderem saufen sie viel mehr als verantwortbar sein könnte.
Doch immerhin: Wieder ein schönes Beispiel dafür, wie man mit Mediengegackere Hysterie schürt.
Och menno!
(26.3.07) Nun ist das Vier-Komma-eins-Promille-Mädchen schon wieder aus der Intensivstation geschmissen worden, verlegt auf eine Kinderstation – was sicher eine angemessene Strafe darstellt.
Um noch ein wenig länger davon zehren zu können, weiß die RBB-Abendschau, die Jugendliche wäre „am Wochenende aufgefunden“ worden.
Wie? Was? Ich denk, die soff mit anderen und als sie von der Bank fiel, hat eine Freundin die Feuerwehr gerufen. Die wurde also keinesfalls delirierend, hilflos, bewußtlos irgendwo auf der Straße oder im Park gefunden, womöglich im (eigenen) Dreck, ausgeraubt, geschändet – – –
Aber da muß man natürlich Verständnis haben: Wenn man zu sehr an den Tatsachen klebt, gibt die Story noch weniger her. Guter, zeitgemäßer Journalismus lebt nicht zuletzt von der – äh – Interpretation der Fakten. Und natürlich davon, besorgt zu gucken und zu sagen: „Wir wollen keine Panik schüren, aber es ist alles ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz schlimm.“