Wenn man etwas werden, sich dann wichtig fühlen und ein angenehmes Leben haben will – dann, ja dann darf man meist keine Möglichkeit auslassen, sich in die Medien zu drängeln. Auf welchem Niveau auch immer.
Ein ambitionierter Jungpolitikerdarsteller – erklärter Christ und Demokrat – versuchte es letzten Monat mal wieder, indem er die Erhöhung der Hartz IV-Almosen für Heranwachsende (von viel, viel, viel zu wenig auf viel, viel zu wenig) als „Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie“ bezeichnete. In weiten Teilen der Öffentlichkeit wie der veröffentlichten Meinung stieß dies auf wenig Begeisterung. Sie aber, Herr Ehrmann, Ihres Zeichens Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, sprangen dem mutmaßlichen Minister von morgen bei: Eine „fast schon reflexartige“ Erhöhung der Regelsätze sei falsch, so ließen Sie sich vernehmen. Sinnvoller wäre ein „Anreizsystem“ bei der „Leistungsvergabe“. Man könnte, nein, sollte beispielsweise dicken Hartz IV-Empfängern Eßkurse vorschreiben.
Damit, Herr Ehrmann, erweisen Sie sich nicht nur Ihres Namens als würdig. Damit, Herr Ehrmann, weisen Sie auch den Weg in eine glückliche Zukunft. Schnurstracks zurück ins 19. Jahrhundert, bevor das ganze Gedöns mit sozialem Denken und Barmherzigkeit aufkam und als die Gutsherren noch wußten, was für den Pöbel gut ist. In ein wirtschaftsliberales Paradies, wo jeder, dem es schlecht geht, irgendwie daran selbst schuld ist und deshalb auch sehen soll, wie er zurechtkommt. Wo ein guter Rat als wertvoller erachtet wird als ein schnöder Teller Suppe.
Eine Zukunft, welche einerseits ein einziges Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Veranstalter der hirnerweichendsten, überflüssigsten, aber vom Staat bezahlten Kurse und ähnlichen Maßnahmen ist. Und in der sich andererseits natürlich – oh, segensreiche Nannypolitik – immer neue Stöckchen ersinnen lassen, über welche die vom Staat ins Elend verbannten Untertanen zu hüpfen haben, um eines Tages in den Genuß des vollen Umfangs der ihnen von den Herrschenden zugebilligten Almosen zu kommen.
Eines Tages, der fern ist, sehr fern, glücklicherweise. Denn wo sollen wir, wenn wir das Steuergeld von heute, morgen und überübermorgen für unsinnigen Sozialklimbim verplempern, die nächsten hundert Milliarden hernehmen, um wertvolle, hochqualifizierte Leistungsträger freizukaufen, welche sich leider ein klein wenig verspekuliert und ihre Unternehmen in den Bankrott gewirtschaftet haben? Verglichen mit Herrschaften, die erst lautstark den Staat überall zurückdrängen wollen, möglichst wenig Steuern zahlen, und wenn sie sich verzockt haben, zu Papa Staat rennen und sich von der Allgemeinheit ihre Vermögen retten lassen – verglichen mit solchen Leuten sind dicke Hartz-IV-Empfänger wahrlich asozial! Schuld daran, wenn jetzt unsere Sozialsysteme kollabieren sollten.
Weshalb für derlei Gestalten kein Platz ist in der schönen Welt, welche Ihnen vorzuschweben scheint, Herr Ehrmann. Eine Welt, in der Ihre segenbringende Kinderhilfe (eine Organisation, die zwar noch keinen Eintrag bei Wikipedia besitzt, aber laut eigener Website bereits drei arbeitende und vier im Aufbau befindliche Landesverbände) endlich größer und bekannter ist als die Konkurrenz Kinderschutzbund – dank Ihrer unerschrockenen Bereitschaft, sich in die Medien zu drängeln. Auf welchem Niveau auch immer.