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Nanny des Monats
Mai 2009: REWE

„Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen hat sich REWE entschieden, Streichhölzer und/oder Feuerzeuge NICHT an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu verkaufen.“ So (oder so ähnlich) verkündest Du an den Kassen Deiner Supermärkte. Und treibst damit jedem Freund und Verfechter der Nannydiktatur die Tränen in die Augen. Welch wahrhaft vorbildliches Engagement! Wie wegweisend! Da ausbaufähig: Zahnstocher für siebzehnjährige Kinder? Was da passieren könnte! Frischhaltefolie für Fünfzehnjährige? Viel zu gefährlich! Spüli für Vierzehnjährige? Um Himmels willen!

Bei soviel Umsicht dürfte das Herz jeder dauerbesorgten Einzelkindmutti aus der Mittelschicht (mutmaßlich um die sechzig und Stammwählerin entweder der FDP oder der Grünen) höherschlagen. Endlich wird, dank REWEs aufopferungsvoller Hilfe, kein fünfzehnjähriger Säugling mehr etwas so Gefährliches wie Streichhölzer und/oder Feuerzeuge in die Finger bekommen.

Doch warum bei Minderjährigen stehenbleiben? In der Nannydiktatur werden schließlich alle Menschen zu unmündigen Zöglingen gemacht, welche eines umfassenden, immer weiter auszubauenden Schutzes durch den Staat, seine Vorschriften und Verbote, bedürfen.

Bald schon sollte, wird, MUSS es an den REWE-Kassen heißen:

Salz? – Gibt es nicht! Wenn Sie ein paar Eßlöffel davon schlucken, sind Sie tot!
Schokolade? – Zeigen Sie mal Ihre Zähne! Wollen Sie unser Gesundheitssystem vollends ruinieren?

Cola? – Wenn man darin Fleisch einlegt…

Kartoffelchips? – Sie sind fett genug!

Die Wurst ist nichts für Sie, Kartoffeln und Brot sind reine Kohlenhydratbomben (fragen Sie den Metzger), Milch macht Männern Prostatakrebs, Koffein verursacht Hunderttausende Herz- und Kreislauftote, mit diesem Dosenöffner könnten Sie sich wehtun, die Konservenbüchse als Waffe verwenden, verarbeitete Lebensmittel sind tödlich.

Da ist höchste Wachsamkeit einer jeden Kassenkraft gefordert, Einsatz für das Wohl unseres Volkes, der Menschheit, der gesamten Welt, welche nur durch einen solche gemeinsame Anstrengung gerettet werden können. Jede Kassierin steigt auf zur Gesundheitswartin (was ihr Lohn genug sein soll, weshalb sie natürlich nicht mehr Geld dafür bekommt). 

Bis endlich ein wunderbares Schild allüberall verkündet: „Zum Schutz unserer Menschen hat sich REWE entschieden, niemandem irgendwelche Waren zu verkaufen.“

Ja, das hat Zukunft, REWE! Jeden Tag ein bißchen dreister. Jeden Tag ein bißchen dümmer.

 

 

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