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Nanny des Monats
Juni 2009: Ökologisch-Demokratische Partei

Wir schreiben Deinen Namen aus, Ökologisch-Demokratische Partei, denn obgleich Du Dich seit Jahrzehnten mühst – Du bleibst im Schatten der Grünen, als deren Quasi-Rechtsabspaltung Du einst entstanden bist, wahrnehmbar – wenn überhaupt – vor allem auf lokaler Ebene, und das hauptsächlich in Bayern. Dort nun meinst Du eine Gelegenheit gefunden zu haben, mal wieder auf Dich aufmerksam zu machen und auch zu zeigen, daß Du die Grünen, was Spießigkeit und Lust an der Bevormundung der blöden Untertanen angeht, noch zu übertreffen vermagst. Also initiiertest Du ein Volksbegehren, welches den Tabakgenuß in der Gastronomie – soeben dank einer herben Wahlschlappe für die CSU so weit ermöglicht, wie es in den meisten Bundesländern üblich ist – wieder verbieten soll. Und zwar – selbstredend – strikt, total und absolut. Genauer: strikter, totaler und absoluter denn je.

Denn die vielen Raucherclubs, die es bis vor wenigen Monaten in Bayern gab – ja, mei, des war ja kein echter Nichtraucherschutz nicht. Klar: Wenn Raucher und tolerante Nichtraucher, allesamt erwachsene, mündige Bürger, in einem Raum zusammensitzen, dann werden Nichtraucher, die nicht in diesem Raum sitzen und dort auch nicht sitzen wollen, natürlich immens gefährdet, geschädigt, getötet. Weshalb sie dringend staatlichen Schutzes bedürfen, will meinen: der Staat mal schnell verbieten soll, was mir nicht paßt – zum Beispiel daß andere Leute ihren Spaß haben, derweil ich lieber an der Möhre lutsche.

Allein schon der Mut, mit dem hier offenkundiger Unfug treuherzig als ganz logisch, gut, berechtigt verkauft wird, ist bewundernswert. 

Viele Wege führen in die Nannydiktatur. Der krampfhafte bis verzweifelte Versuch, sich mit dem Geschrei nach allen möglichen Verboten in die (mediale) Öffentlichkeit zu drängeln und zu profilieren, ist einer davon. Du, kleine Partei, demonstrierst dies vorbildlich.

 

 

 

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