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Nanny des Monats
Februar 2009: Kölner Lesben- und Schwulentag

Vergangenen Monat habt Ihr, Tagende des „Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST)“, eine „Charta“ verabschiedet für den von Euch veranstalteten „Cologne Pride“. Letzterer muß womöglich auch schon so heißen, wie er heißt, weil „Schwulenparade“ einfach zu direkt und damit am Ende offensive wäre. Was Ihr da teilweise so zusammengeschrieben habt, nennen böse Zungen „Benimmregeln“. Zu deren Einhaltung Ihr „eng mit der Polizei und den Ordnungsbehörden“ zusammenarbeiten wollt. „Im zumutbaren Rahmen“ seien Eure Aufpasser, äh, Gouvernanten, ach: Helfer gehalten, verbotenes Verhalten anzuzeigen. Und wer noch mitspielen, pardon: -marschieren möchte, der solle „Taktgefühl“ beweisen bei seinem äußeren Erscheinungsbild und seinem Verhalten.

Da geht das Herz eines jeden Freundes der Nannydiktatur auf. Allein schon die Formulierungen, welchen breitesten Spielraum zur Auslegung lassen! Und es damit jedem kleinen Mädchen (beiderlei Geschlechts), das sich als Helferin bei Eurer Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) betätigt, ermöglichen, sich als Sittenwächterin und Straßenwart aufzuspielen!

Hübsch auch der Hinweis, der gemeine Urning, die gewöhnliche Tribade solle doch bitte die Toleranz, welche Schwulen und Lesben von der Gesellschaft entgegengebracht werde, nicht durch „maßlose Provokation“ überstrapazieren. Ja, für maßvollen Fortschritt in den Schranken des Gesetzes! Danke, daß ihr uns nicht gleich totschlagt! Wir sind zwar homosexuell, nein: homophil (das S-Wort geht ja gar nicht mehr), aber dennoch nette Menschen! Oder zumindest sowas ähnliches (entscheidet ihr, wir wollen nicht mit maßlosen Forderungen, am Ende gar politischer Art, provozieren).  

Besonders schön an dem gesamten Vorgang ist, daß er in vorauseilendem Gehorsam geschieht, aus Angst insbesondere vor der örtlichen De-facto-Monopolpresse aus einem Medienkonzern, den höchstens die verzweifelten Angestellten von „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ für liberal halten. Und daß man vorbildlich zerknirschte Einsicht zeigt, daß es so, wie es jahrzehntelang getrieben wurde, nun wirklich nicht weitergehen könne, weil es doch gelte, Kinder zu schützen.

Ja, die Kinder. Und der Schutz. Wenn einem gar nichts mehr einfällt, einfach „Man muß doch mal an die Kinder denken!“ kreischen. Das verfängt immer, erst recht in einer Welt, die von hysterischen Soccer Moms (permanent upset) beherrscht wird. Und von panischen Spät-Erstgebärenden.

Wer zu dumm ist, ein Lokal, das ihm zu verraucht erscheint, zu verlassen oder gar nicht erst zu betreten, der schleppt seine Gören auch zur Homoparade und empört sich anschließend, daß durch den Anblick nackter Männerpopos der Nachwuchs schwer traumatisiert worden wäre. Motto: Wenn ich in meinem Badezimmer aufs Toilettenbecken steige, mich durch das kleine Fenster quetsche und ganz weit hinauslehne, kann ich schräg unten aus dem Augenwinkel sehen, daß mein Nachbar sich manchmal selbstbefriedigt; ich bin empört, entsetzt, schwer traumatisiert, in jedem Falle fortan erwerbsunfähig und auf umfassende staatliche Unterstützung angewiesen.

Damit es bei uns endlich auch in dieser Hinsicht zuginge wie im Land der unbegrenzten Dämlichkeiten, fehlt nur noch, daß sich an das theatralische Gejammere eine saftige Schadensersatzklage anschließt. Welche natürlich Erfolg hat.

Bald wird es soweit sein. Was wohl so nette Homos wie die KLuSTerInnen bis dahin noch für Selbstkastrationen im Sinne der Nannydiktatur vollzogen haben werden?

 

 

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