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Nanny des Monats
Oktober 2008: Harald zur Hausen

Anfang Oktober wurden Sie, Herr zur Hausen, mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Eine Woche später meldeten Sie sich wieder zu Wort, wozu Ihnen der „Spiegel“ gerade gut genug war: „Katastrophal“ sei das Vorgehen von Horst Seehofer, zumindest insofern, als der angehende bayerische Ministerpräsident angekündigt habe, das absolute – strikte – totale Rauchverbot in bayerischen Gaststätten wieder zu lockern. Bloß weil, wie wir hinzufügen möchten, offenkundig ein nennenswerter Teil des Stimmviehs, äh, der lieben Bürgerinnen und Bürger auch dieser Zwangsbeglückung wegen von der CSU ein wenig angefressen war.

Apropos angefressen: Natürlich waren Sie, sehr geehrter Herr zur Hausen, dies sicher kein bißchen, weil Ihr Nobelpreisgewinn in den deutschen Nachrichten nur unter „ferner liefen“ rangierte – durch gewisse kleine Komplikationen im Land der Freien, welches uns nicht nur bei der Jagd auf Tabakfreunde ein glänzendes Beispiel war und ist, mußten sich unsere Damen und Herren Politiker in jener Woche ja zur Abwechslung mal wieder mit wirklichen Problemen und Gefahren beschäftigen.

Immerhin haben Sie, verehrter Herr zur Hausen, eine schöne Möglichkeit gefunden, sich doch noch mal in die Medien zu bringen – und das sogar am notorisch nachrichtenarmen Wochenende. Und zum weiteren Trost gibt’s die Auszeichnung als Nanny des Monats – stellvertretend auch für all jene Anti-Tabak-Lobbyisten, welche schon wieder mit den tollsten Zahlen um sich geworfen haben, wie viele Tote der böse Horst Seehofer persönlich auf dem Gewissen haben werde, sollte er es wirklich wagen, das Rauchen auf Landstraßen wieder zuzulassen. Oder so. Wo kämen wir auch hin, würden Politiker tun, was ihre Wähler wollen, oder könnte jeder mit seinem Leben anfangen, was ihm beliebt – womöglich gar, sich mit legalen, hoch besteuerten Genußmitteln nach Herzenslust Schaden zufügen? Das würde ja direkt in Freiheit und Demokratie ausarten! Was die Menschheit braucht, sind kluge Menschen, die sie zu ihrem Glück zwingen. Oder zumindest Menschen, die sich für klug halten. Mit derlei hat man, auch und gerade in Deutschland, schließlich schon allerbeste Erfahrungen gemacht.

Und dann haben Sie, Herr zur Hausen, wo Sie schon mal beim Plaudern waren, via „Spiegel“ auch noch vor „zu kurz gebratenem Rindfleisch“ gewarnt, und zwar „als einem Risikofaktor für Darmkrebs“. „Möglicherweise“, hieß es bei „Spiegel online“, „sind bislang unbekannte Viren aus dem ungenügend erhitzten Rindfleisch beteiligt an der Entstehung von Tumoren des Dickdarms. Der Wissenschaftler empfiehlt daher, Rindfleisch vor dem Verzehr ganz durchzubraten.“

Na, dann wissen wir ja, was als nächstes verboten werden sollte, nein: verboten werden MUSS! Köche, die medium Gebratenes anbieten, sind MÖRDER!

Wir freuen uns auf die weiteren akuten, absolut lebensbedrohlichen Gefahren, welche Sie, Herr zur Hausen, noch ausmachen mögen und welche die Menschheit zu vernichten drohen – die sich wegen all dieser verboten gehörenden Genüsse in den letzten hundert Jahren lediglich vervierfacht hat. Auch deshalb möge Ihnen, Herr zur Hausen, noch ein langes Leben beschieden sein. Denn um eines zu wissen, bedarf es nicht einmal eines Nobelpreises: Quantität geht vor Qualität!

 

 

 

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