Coole Jugendliche
„Nichtrauchen ist cool“. So der Titel eines Wettbewerbs der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin: Schüler, pardon, natürlich: SchülerInnen der siebten bis zehnten Klasse waren aufgerufen, Postkartenmotive zu diesem Thema zu entwerfen. Am 26. Mai 2008 wurden die fulminanten Ergebnisse mit einem Staatssekretär der Senatsverwaltung für Gesundheit der nicht nur staunenden, sondern (ordnungsgemäß) restlos begeisterten Öffentlichkeit vorgestellt. Aus den erstplacierten soll nun eine Jugendkampagne entwickelt werden.
Dabei fragt sich jedes anständige MitgliedIn der Bevölkerungsgemeinschaft, welch feindlich-negativen, ehrvergessenen Elemente dieser unumstößlichen, da fraglos wissenschaftlich bewiesenen Tatsache denn noch widersprechen wollten: Coole Jugendliche rauchen nicht. Senatsverwaltung und Fachstelle sollten es aber nicht bei dieser Aussage belassen, sondern hinzufügen:
Coole Jugendliche trinken keinen Alkohol.
Coole Jugendliche trinken keine Cola.
Coole Jugendliche trinken am liebsten Mineralwasser (nur natriumarmes).
Coole Jugendliche essen keine Süßigkeiten.
Coole Jugendliche essen keine Kartoffelchips.
Coole Jugendliche verabscheuen Hamburger, Pommes frites, Döner und anderes Fast food.
Coole Jugendliche gehen niemals bei Rot über die Straße.
Coole Jugendliche sind spätestens abends um neun daheim. (Pünktlich!)
Coole Jugendliche liegen um 22 Uhr im Bett (und zwar dem eigenen, und schlafen).
Coole Jugendliche hören keine laute Musik.
Coole Jugendliche waschen sich vor dem Essen immer die Hände.
Coole Jugendliche putzen sich dreimal am Tag die Zähne.
Coole Jugendliche legen von ihrem Taschengeld das meiste auf die hohe Kante und machen niemals Schulden (darin ganz dem Vorbild unseres Staates folgend).
Coole Jugendliche gehen gern zur Schule.
Coole Jugendliche lieben ihre Lehrer.
Coole Jugendliche freuen sich aufs lebenslange Lernen.
Coole Jugendliche sind froh und dankbar für jede Lehrstelle oder Maßnahme des Arbeitsamts.
Coole Jugendliche grüßen immer freundlich im Treppenhaus, wenn man sie trifft.
Coole Jugendliche sortieren den Müll.
Coole Jugendliche bringen die Pfandflaschen stets dorthin zurück, wo sie sie gekauft haben.
Coole Jugendliche interessieren sich nicht für jugendgefährdende Schriften.
Coole Jugendliche schauen sich niemals Websites an, die nur Erwachsene betrachten dürfen.
Coole Jugendliche schalten den Fernsehapparat aus, wenn eine Sendung angekündigt wird, die für sie nicht geeignet ist.
Coole Jugendliche sitzen nicht länger am Computer als zur Erledigung ihrer Schulaufgaben unbedingt nötig.
Coole Jugendliche strömen zum Marktplatz der Generationen.
Coole Jugendliche unterschreiben jeden Tag eine andere Selbstverpflichtungserklärung.
Coole Jugendliche üben freudig Selbstkritik vor dem Kollektiv.
Coole Jugendliche melden es den Aufsichtsbehörden und Ordnungskräften, wenn sie von Dingen erfahren haben, die gegen die Vorschriften verstoßen.
Coole Jugendliche geben freiwillig und unaufgefordert zu, wenn sie etwas falsch gemacht oder gar etwas Verbotenes getan haben und fordern eine gerechte, aber harte Bestrafung.
Coole Jugendliche wissen, daß Erwachsene klüger sind als sie und tun deshalb immer, was Mami und Papi sagen.
Coole Jugendliche können es gar nicht abwarten, zur Wahl gehen zu dürfen und dort ihre Stimme abzugeben für die Parteien des Demokratischen Blocks der BRD. (Danke, einstimmig!)
Und niemals vergessen:
Wir Thälmann-Pioniere
halten unseren Körper sauber und gesund,
treiben regelmäßig Sport und sind fröhlich.
Wir wollen lebensfrohe Menschen sein.
Wir stählen unseren Körper bei Sport und Spiel und beim Wandern.
Wir rauchen nicht und trinken keinen Alkohol.
Oh, pardon, da ist wohl noch etwas rausgerutscht, was uns die von der „Linken“ geführte Senatsverwaltung für Gesundheit erst zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen wollte.