Nanny des Monats
Juni 2008: Deutscher Fußball-Bund
Im Monat der Fußball (Warenzeichen)-Europa (Warenzeichen)-Meisterschaft (Warenzeichen) 2008 (Warenzeichen, Warenzeichen, Warenzeichen) sollst Du gewürdigt werden, oh großer DFB. Wurde die Freude und Würde des wunderbaren Spektakels doch getrübt durch eine Verfehlung gar grauenvoller Gestalt: Gegen Ende des Viertelfinalspiels gegen Portugal am 19. Juni im Basler St. Jakob-Park erkühnte sich Dein Bundestrainer nicht nur, eine Zigarette zu rauchen, sondern dies auch noch vor laufenden Fernsehkameras zu tun (welche im vorliegenden Falle unverständlicherweise immer noch live sendeten, anders als dies inzwischen üblich ist in China, im Iran, den USA, bei der BBC oder Premiere). Und, um der schäbigen Missetat die schaurige Krone aufzusetzen, hinterher erklärte jener Joachim Löw auch noch, es habe sich bei dem gräßlichen Götzendienst an der Todesdroge Tabak nicht um einen zwar unverzeihlichen, doch immerhin einmaligen Fehltritt gehandelt, sondern er rauche schon seit längerer Zeit hin und wieder, insbesondere weil dies so schön entspanne.
Nun wissen wir natürlich, daß am deutschen – und erst recht am amerikanischen – Wesen noch einmal die Welt genesen wird. Bislang ist dies aber nicht erreicht, und so ist in der kecken Schweiz, welche sich auch erdreistet, der EU gegenüber nicht bedingungslos zu kapitu-, pardon: ihr beitreten zu wollen, das Rauchen noch nicht vollständig verboten. Nicht einmal an einem so stickigen, von jeglicher Frischluftzufuhr abgeschnittenen Ort wie ihn ein Fußballstadion darstellt.
Dennoch konnte das feindlich-negative Verhalten des Löw natürlich nicht geduldet werden. Nicht von dem einen oder anderen Bundestagshinterbänkler, der auch gern mal in die Medien wollte. Nicht von den professionellen Lungenrettern. Und schon gar nicht von Dir, lieber DFB: Umgehend wurden die Volk, Vaterland und Fußball zersetzenden Umtriebe des Löw von Deinem Sprecher gerügt. Schon des schlimmen Vorbildes wegen. Ja, lieber DFB, da kann man Dir nur zustimmen: Erst in vielen, vielen Jahrzehnten werden wir womöglich wissen, wie viele Fußballer (und erst Fußballzuschauer) in den Tod getrieben wurden durch dieses verheerende Signal des Joachim Löw, welches in die Annalen eingehen möge als eine der übelsten Schandtaten der Menschheitsgeschichte!
Die Auszeichnung als Nanny des Monats verdienst Du aber vor allem auf Grund der Perspektive und darausfolgenden Selbstlosigkeit Deines Wirkens. Denn so sehr Du schon heute, wie Dein Sprecher angesichts des Löwschen Exzesses noch einmal betonte, gegen jeglichen Tabakgenuß streitest, so sehr Du Dich seit langem gegen Nikotinkonsum und für rauchfreie Stadien aussprichst: Wir alle wissen natürlich, daß es allein dabei nicht bleiben kann. Das alkoholfreie Stadion dürfte, so irgendwo noch nicht staatlich verfügt, der nächste logische Schritt sein. Und dann selbstredend das kaffee- und colafreie Stadion. Das schokoriegelfreie Stadion. Das pommes-frites- und bratwurstfreie Stadion (schon des Acrylamids wegen, vom Fett ganz zu schweigen). Jedoch: Hat eigentlich mal jemand (ggf. unsere Wohltäter in den Brüsseler Bürokratenburgen) den Lärmpegel gemessen, der in einem vollbesetzten großen Stadion herrscht? Verglichen damit dürfte auch eine noch nicht von unseren Gesundheits- und anderen Politikern (geheiligt werde ihr Name, sie führen uns ins Paradies) lautstärkereglementierte Diskothek ein lauschiges Plätzchen sein. Und was ist mit den immensen Belastungen, welche die Betrachtung eines Fußballspiels für Herz und Kreislauf vieler Zuschauer bedeutet?
Ja, lieber DFB, wie jede Nanny wirst auch Du wissen:
Nur ein leeres Stadion ist ein gesundes Stadion!
Und vor irgendwelchen Bildschirmen sollte eigentlich – wegen der Herzschlaggefahr – auch niemand zuschauen, ob mit oder ohne Zigarette, Bier, Cola, Kartoffelchips und was der teuflischen Dinge, die demnächst verboten werden MÜSSEN, noch sind. All dies dürfte natürlich für Dich massiv sinkende Einnahmen bedeuten, weniger Versorgungsposten für ausrangierte Fußballprofis und andere alternde Funktionäre usw. usf. Doch dies scheint Dich nicht zu schrecken. Denn Opfer müssen eben gebracht werden, wenn die Menschheit überleben soll.