Nanny des Monats
Februar 2008: Günther Oettinger
Als Ministerpräsident von Baden-Württemberg sorgen Sie dafür, daß dieses Land wahrlich ein Musterländle bleibt – in Sachen Bevormundung und Umerziehung.
Vorbildlich Ihre Idee, den Verkauf von Alkohol zu verbieten. Erst einmal nur an Tankstellen und ähnlichem nach 22 Uhr. Aber jeder, der ein wenig mit dem Marsch in die Nannydiktatur vertraut ist, weiß natürlich, daß es dabei nicht bleiben wird. Ebenfalls wie aus dem Lehrbuch begründen Sie Ihre Verbotspolitik damit, Jugendliche schützen zu wollen. Im Vertrauen darauf, daß die lieben Bürgerinnen und Bürger immer noch ein wenig dümmer sind als selbst der größte Volksverächter glaubt. Denn nach neuester Nannygesetzgebung dürfen Jugendliche doch überhaupt keinen Alkohol mehr kaufen, weder tagsüber noch abends. Und sich, bis zu einem gewissen Alter (welches demnächst sicher dreißig sein dürfte), ohnehin nicht nach 22 Uhr unbeaufsichtigt auf der Straße herumtreiben.
Aber die stete Propaganda der letzten Monate, der zufolge sich unsere Jugend an jedem Wochenende zu Zehntausenden kollektiv ins Koma trinkt, muß sich ja endlich auszahlen. Es wird schon niemand merken, daß das abendliche Alkoholverkaufsverbot also eigentlich gar nicht die armen Jugendlichen trifft, die angeblich so dringend geschützt werden müssen. Sondern jeden erwachsenen Bürger. Wenn man mal kurz darüber nachdenkt. Was glücklicherweise demnächst sicher auch verboten wird.
Natürlich nur, weil mal wieder irgend jemand geschützt werden muß.
Hoffentlich bereiten Sie auch das bereits vor. Zumal Ihre bisherige Amtszeit ja eher – na ja. Aber in jedem Falle haben Sie Deutschland auf dem Marsch in die Nannydiktatur ein schönes Stück vorangebracht. Wenigstens etwas.
Und hier noch eine schockierende Nachricht für Sie, der Sie – wirtschaftskompetent bis über beide Ohren – offenkundig wissen, daß Tankstellen vom Verkauf von Kraftstoffen leben, nicht etwa von dem Umsatz, den sie mit Schokoriegeln (ungesund!), Kartoffelchips (noch ungesünder!), Zigaretten (tödlich!) oder eben Alkohol (Gott steh uns bei!) machen: In kaum einem anderen deutschen Bundesland wird so viel Wein produziert wie in Ihrem! WEIN, Herr Ministerpräsident! Ein Getränk, das Alkohol enthält! Nach den Erkenntnissen unserer Nanny des Monats Dezember 2007 dafür verantwortlich, daß in Baden-Württemberg Mund- und Speiseröhrenkrebs epidemisch verbreitet sind und täglich Tausende dahinraffen. Schnell, fordern Sie die GSG 9 an! Die UNO! Die NATO! Vielleicht können diese so rasch wie möglich die todbringenden Weinstöcke auf den badischen und schwäbischen Höhen vernichten! Höchste Eile ist geboten! Wer nicht handelt, macht sich mitschuldig! Man muß doch mal an die Kinder denken!