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Nanny des Monats
Oktober 2007: Sigmar Gabriel
 

Natürlich haben Sie bzw. Ihre Staatssekretärin und anderen Mitarbeiter, welche Sie anleiten und kontrollieren, recht: Sich zu lange zu bräunen, ist schädlich. Sich im Solarium zu bräunen, ist womöglich besonders schädlich.

Aber sollte es nicht jedem selbst überlassen bleiben, ob er sich möglichst schnell auf Hautkrebs und das Aussehen einer alten Handtasche hinarbeiten will? Und wenn schon Schutz der Sonnen- oder Solariumsanbeter – in diesem Falle vor sich selbst –, warum dann nur Minderjähriger, wie Sie das jetzt planen? Ist die Gefahr bleibender Schäden soviel geringer, wenn man sich mit achtzehn, zwanzig, zweiundzwanzig brät? Ist man in diesem Alter soviel klüger als mit sechzehn?

Und warum das ganze auf künstliche Sonnen beschränken? Wo bleiben die in jeder Hinsicht engagierten Gesundheitspolitiker(innen), Menschheitsschützer(innen) und Weltbeglücker(innen), welche wütend und traurig schreien, diese Maßnahmen reichten keinesfalls aus, notwendig sei ein konsequenter Sonnenanbeterschutz, angesichts Tausender Toter täglich, auch gegen den erbitterten Widerstand der allmächtigen Sonnen- und Solariumslobby und ihrer Weltverschwörung? Wo bleiben staatliche Patrouillen auf Liegewiesen, in Freibädern, an Stränden, welche wenigstens die Minderjährigen in den Schatten scheuchen? Man muß doch mal an die Kinder denken, oh mein Gott!

Starten Sie doch erstmal eine millionenschwere Aufklärungskampagne. Und was man sonst so tut, wenn man heutzutage als Politiker Handeln vortäuschen möchte. 

Also, sehr geehrter Herr Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, nehmen Sie unsere Auszeichnung auch als Ansporn. Nachdem Sie diese wirklich originelle Idee hatten für ein weiteres Verbot, für weitere Entmündigung und einen weiteren Jugendschutz, der mit seiner umfassenden Bevormundung Heranwachsender dafür sorgen dürfte, daß wir bald (wieder) eine Jugend haben, die angesichts der ganzen Vorschriften, mit denen man sie beglückt, restlos ausrastet.

Im übrigen erwarten wir solche Glanzleistungen gerade von Ihnen, da Sie ja als besonders gutes Beispiel für die von Ihren Kollegen Schmidt und Seehofer verkündete Kampagne „Fit statt fett“ brillieren. Wir freuen uns schon darauf, Sie als Vorturner zu sehen bei der fünfzehnminütigen Gymnastik, welche künftig jeder Kabinettssitzung vorangehen sollte – wird – MUSS. Gleich neben unserer geschätzten Kanzlerin, die etwas füllig um die Hüften sicher nur ist durch die zahlreichen Geburten, welche sie hinter sich hat.

 

 

 

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