Nanny des Monats
September 2007: Die SPD
Bravo, SPD! Natürlich ist es nicht ganz gerecht, wenn man jetzt einfach Dir als Ganzes die tolle Idee zurechnet, ekelige Bilder auf ekeligen Zigarettenpackungen abzudrucken, welche ekelige Raucher von ihrem ekeligen Tun abschrecken sollen. Aber die Kampfesgenossen in den anderen Parteien müssen eben mal zurückstehen, und selbst wenn es nur einzelne Deiner Gesundheitspolitiker und Hinterbänkler gewesen sein sollten, die sich hier am traditionell nachrichtenarmen Wochenende in die Medien gedrängelt haben – angesichts Deines derzeitigen Zustandes verdienst Du einfach mal ein bißchen Lob. So wie die verbale Bauchpinselei, Dich als „Ganzes“ zu bezeichnen, als gäbe es bei Dir eine einheitliche Linie. Oder einen wirklichen Kopf, welcher Leute zurechtstutzen könnte. Zumal die Idee mit den Ekelbildern noch lange nicht weit genug geht. Sondern ein Zurückweichen vor der teuflischen Tabakindustrie zeigt, welches eingedenk deren allumfassender Weltverschwörung und Weltherrschaft zwar verständlich ist (auch Deine Politiker haben ja Familie), doch nicht verantwortbar. Angesichts Millionen Tabaktoter. Täglich. Also: Warum nur Krebstumoren oder sterbende Babies? Warum nicht ehrlich sein, streng wissenschaftlich – mutmaßlich gemäß Erkenntnissen amerikanischer Wissenschaftler! Auf jeder Tabakpackung sollte künftig zu sehen sein, wie Raucher kleine Tiere essen. Und kleine Kinder. Bei lebendigem Leib. In ihren stinkerigen Höhlen des Verderbens namens Raucherzimmer. Oder Privaträume. Zu erkennen sind die Raucher selbstverständlich an ihren spitzen Ohren, den Reißzähnen (gift-, nein: eitergelb natürlich), den widerwärtigen Klauen, dem irren Blick, den Hufen. Und dem langen Schwanz.
Fehlten eigentlich bloß noch Schnäbel, lepröse Haut und verweste Gedärme, dann hätte man ungefähr das zusammen, was gern mal in irgendwelcher Wurst, in irgendwelchen Konserven, Schnellimbissen oder Restaurants landet. Die Sache mit dem Gammelfleisch und den Schlachtabfällen, welche, zuweilen mehrere Jahre alt, unseren Menschen als Lebensmittel verkauft werden, kriegt Ihr ja leider nicht in den Griff, liebe Gesundheitspolitiker, Verbraucher-, Nichtraucher- und Weltbeschützer von der SPD und anderen Parteien. Aber erstens seid Ihr dafür womöglich wieder mal nicht zuständig, zweitens sollte man dafür vielleicht erstmal wie üblich einen Arbeitskreis einrichten, und drittens gibt es doch wirklich wichtigeres!
Zumal ich ja nicht sagen kann: „Ein Lokal, in dem geraucht wird, besuche ich nicht.“ Oder: „Hier ist’s mir zu verqualmt, ich gehe.“ Wie sollte ich schließlich feststellen, ob jemand dem Tabakgenuß frönt? Oder vor kurzem gefrönt hat? Diese Gefahr ist absolut nicht wahrnehmbar.
Aber was für Fleisch (bzw. Abfall) in der Konserve steckt, in der Wurst, im Döner, das erkenne ich als Verbraucher ja problemlos. Gut also, daß Ihr und die anderen Politiker Euch zuerst der drängendsten Probleme angenommen habt. Und gelöst. Zum Schutze unserer Gesundheit.
Immer voran, SPD! In der langen Tradition von Entmündigung und Bevormundung. Das mit Emanzipation und Freiheit und Selbstbestimmung nimmt Dir sowieso niemand mehr ab. Ebenso wenig wie daß Du für soziale Politik stehen würdest. Dafür hat schon Gerhard Schröder gesorgt. Ein Raucher, natürlich. Wie übrigens Willy Brandt. Der ja wohl hoffentlich deshalb demnächst posthum aus der Partei ausgeschlossen wird.
Im Rahmen eines konsequenten Nichtraucherschutzes.