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Fit statt fett!

 

Nannies des Monats Juni 2007:
Ulla Schmidt und Horst Seehofer

Am 8. Mai 1945 endete ein Krieg in Europa. Am 9. Mai 2007 begann ein neuer: Der „Kampf gegen Übergewicht“, wie die willigen Helfer in den Medien tönten. Der Schlachtruf lautet: „Fit statt fett!“ Und angeführt wird der Feldzug von unserer gertenschlanken Kanzlerin, die etwas füllig um die Hüften natürlich nur ist auf Grund der zahlreichen Geburten, welche sie hinter sich gebracht hat.

Völlig überraschend gibt es ein Aktionsprogramm und ein Eckpunktepapier. Sicher mit einem Bündel von Maßnahmen, welches implementiert werden muß, wenn es denn erstmal ein Arbeitskreis, eine Enquetekommission oder gar ein Aktionsbündnis ersonnen hat.

Im vorliegenden Kreuzzug soll, wie wir lesen konnten, eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern „über mehr Aufklärung, über Aktionen für mehr Sport und über gesünderes Essen in Kantinen beraten”.

Die Gnadenfrist für Genußfreudige könnte in diesem Bereich also etwas länger ausfallen. Denn erst einmal hat die Regierung nur beschlossen, daß sie etwas machen will. Einen Fünf-Jahr-, pardon: Fünf-Punkte-Plan entwickeln. Und natürlich müssen die doofen Bürger mal wieder aufgeklärt werden.

Ebenso selbstverständlich heißt es jetzt noch „Vernunft statt Vorschrift“ – bis man in drei, vier Jahren, wiederum gänzlich überraschend, feststellen wird: „Freiwillige Regelungen haben nichts gebracht.“ Woraufhin es dann Verbote hagelt:

Verbot des Verzehrs ungesunder Lebensmittel in öffentlichen Gebäuden.

Verbot des Fast-Food-Verkaufs auf Bahnhöfen und Flughäfen.

Verbot des Verkaufs von Süßwaren an Minderjährige. (Oh mein Gott, man muß doch mal an die Kinder denken!)

Verbringung von Übergewichtigen in ihnen vorbehaltene Stadtteile.

Nicht zu vergessen die Warnhinweise auf Kartoffelchipstüten (am besten mit abschreckenden Nacktphotos, etwa von Helmut Kohl) und die Strafsteuer auf ungesundes Essen. Wieder eine neue Möglichkeit zum Abkassieren! Daß der Bankrott des Krankenversicherungssystems noch etwas hinausgezögert wird, indem man Menschen, die sich ungesund benehmen (was das heißt, entscheidet eine Arbeitsgruppe), Leistungen verweigert, versteht sich ja von selbst.

Sicher wird die Bundesregierung bei „Fit statt fett“ mit gutem Beispiel vorangehen: Vor jeder Kabinettssitzung, zumal wenn Kameras dabei sind, erst einmal fünfzehn Minuten Gymnastik!

Denn: Übergewicht ist das Gesundheitsrisiko Nummer eins!

Allerdings haben Sie, verehrte Frau Schmidt, die Nanny-, pardon: Nichtraucherschutzgesetzgebung im Bundestag gerade damit begründet, das Rauchen sei „Gesundheitsgefahr Nummer eins“. Und wurde nicht gerade erst verbreitet, daß durch den bösen Alkohol jährlich 16.000 Menschen in Deutschland zu Tode kämen?

Ach, es ist schon mißlich, wenn man beim Schüren von Hysterie durcheinanderkommt, weil man mehrere Hexenjagden gleichzeitig veranstaltet!

Wie Sie, geschätzte Frau Schmidt, und Ihr Kollege Seehofer diese Aufgabe dennoch meistern, um uns möglichst schnell vom „Du! Du!“- in den „No! No!“-Staat zu befördern, das nötigt uns Bewunderung ab. Und deshalb möchten wir Sie auszeichnen, auch wenn das, was Sie tun und reden, eigentlich bloß zu dem gehört, was man eben so tut und redet, wenn man den Minister für Gesundheit oder jenen für Landwirtschutz gibt.

Und auch bei den nächsten Verbots- und sonstigen Bevormundungskampagnen nicht vergessen: Zehntausende, Hunderttausende, Millionen Tote (pro Jahr!) dulden kein weiteres Zögern und Zaudern!

 

 

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