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Nanny des Monats
Juli 2007: Klaus-Dieter Gröhler 

Mit dem ersehnten Bürgermeisterposten von Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlins westlichem Citybezirk, hat es nun ja nicht geklappt: Im letzten Moment wandten sich die Grünen doch wieder ihrem alten Partner, der SPD, zu. Ihnen, verehrter Herr Gröhler von der CDU, blieb nur, weiterhin den Baustadtrat zu geben.

Dabei hatten Sie sich so schön profiliert gehabt, auch mit Verbotspolitik, bevormundender, umerziehender, wie sie die Herzen der heutigen Grünen höherschlagen lassen sollte: Das Rauchen auf Kinderspielplätzen haben Sie etwa verboten. Seither sind die Spielplätze in Ihrem Bezirk zwar nicht sämtlich umzäunt worden, mannshoch und unüberwindlich, werden sie zwar nicht nach Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen, und mit den Kontrollen durchs Ordnungsamt oder gar die Polizei klappt es ja schon tagsüber…

Aber warum irgendeine Gelegenheit auslassen, sich in den Medien darzustellen? Oder gar, so zu tun, als würde man etwas tun?

Doch Sie, werter Herr Stadrat, verharrten nicht bei dieser klassischen Form der Nannypolitik, welche im Zeitalter der Neuen Spießigkeit wahrlich von Hinz und Kunz praktiziert wird und daher keine Auszeichnung rechtfertigen kann.

Für letztere qualifizierten Sie sich erst durch Ihren neuesten Coup: Sie wollen den Wohnungsbordellen in Ihrem zentral gelegenen Bezirk den Garaus machen. Dabei berufen Sie sich – Wozu selbst Verantwortung übernehmen? – auf höchstrichterliche Rechtsprechung. Welche eigenartigerweise in den anderen elf Berliner Bezirken nicht zu gelten scheint. Dort sieht man die Sache eher entspannt. Und verweist auch darauf, daß die kleinen, in stinknormalen Mietshäusern verborgenen Puffs, welche bisher kaum jemand gestört zu haben scheinen, eigentlich eine recht erfreuliche Sache sind. Nicht oder nicht nur vom Konsumentenstandpunkt aus, nein, auch und gerade für die Dienstleistenden: Sehr überschaubare Dimensionen, für die Behörden gut zu kontrollieren, oft alteingesessene Betriebe, relativ angenehme, selbstbestimmte, sichere Arbeitsverhältnisse für die Damen. So behaupten es zumindest Interessenvertreter von Prostituierten (und damit sind nicht gewisse Herren gemeint, sondern Frauen, die sich in dem Gewerbe auskennen).

Doch Bevormundung zeichnet sich natürlich insbesondere durch eines aus: Zu glauben, besser zu wissen, was für die Betroffenen gut ist, als diese selbst.

Selbige nämlich fürchten, daß Ihr Kreuzzug gegen Kleinbordelle, werter Herr Gröhler, Großbordelle fördern, wenn nicht erst produzieren werde. In denen dann wirklich schlimme Zustände herrschen könnten.

Was Ihnen natürlich einen exzellenten Grund gäbe, auch gegen diese Etablissements vorzugehen. Die Mißstände, welche man sich brüstet, heldenhaft zu bekämpfen, selbst erst (mit) zu schaffen – das ist Nannypolitik in Perfektion!

Und bis diese exekutiert ist, können Sie ja erstmal etwas anderes verbieten, zum Schutze von Volk und Staat und insbesondere der Gesundheit. Natürlich medienwirksam (sonst hätte es ja keinen Sinn). Wie wäre es mit einem Rauchverbot in Bordellen?

 

 

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