Nanny des Monats
April 2007: Dr. Werner Schnappauf
Hochgeschätzter Herr Schnappauf! Nein: Herr Doktor Schnappauf – soviel Zeit muß sein –, sollten Sie verbittert sein, so könnten wir dies verstehen: Im Februar haben wir Ihre Berliner Kollegin bedacht, im März deren Chef. Dabei haben Sie eine solche Glanzleistung in Hexenjagd und Hysterie abgeliefert – die Ehrung dafür sollte Ihnen so sicher sein wie ein Literaturpreis einer 22jährigen Germanistikstudentin mit großen Augen und langen Haaren, die einen ebenso betroffenen wie elegischen Text über ihre Probleme mit Mutter, Schwestern und den bösen Männern geschrieben hat.
Wie Sie, Herr Dr. Schnappauf, Ihre Studie aus dem Hut zauberten über die absolute Lebensgefährlichkeit der – ja, „Luft“ kann man das ja kaum nennen – in Diskotheken! Wow! Chapeau: Bayern vorn! Nicht nur im rechten Moment, um das allgemeine Kesseltreiben noch etwas weiter anzuheizen. Sondern auch noch am Wochenende, wo die meisten der zu Sonntagsarbeit verdonnerten Journalisten dankbar sind für jeden Blödsinn, mit dem sie ihre Gazetten und Sendungen füllen können. Und was Sie lieferten, Herr Dr. Schnappauf, war ja alles andere als Blödsinn: Der erschreckende Beweis dafür, daß es eigentlich kein Mensch auch nur fünf Minuten überleben kann, sich in einem Tanzlokal (so einem, wo man so eine richtig kesse Sohle aufs Parkett legen kann, mit duften Bienen zu heißen Rhythmen) aufzuhalten, in dem geraucht wird. Und dann erst die Feinstaubbelastung! Eigentlich darf man da keinen Tag, keine Minute mehr zögern: Noch heute sollte die bayerische Staatsregierung Notstandsmaßnahmen zur Rettung von Volk und Staat beschließen. Mobile Einsatzkommandos, die Raucher vorläufig erschießen. Oder wenigstens in Umerziehungs-, äh, Entwöhnungslager bringen.
Und dann sollten Sie schon mal die nächste Studie vorbereiten, mit mindestens ebenso erschreckenden Ergebnissen. Denn, Herr Minister Doktor, machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt: Unbestätigten Gerüchten zufolge soll in Tanzkaschemmen, Musikspelunken und anderen Höhlen des Lasters auch Alkohol ausgeschenkt werden. Und manch flotte Weise gespielt werden, welche das Gehör schädigen kann. Herr Doktor Minister, um Gottes willen, schreiten Sie ein!