Nanny des Monats
Dezember 2006: Reinhold Beckmann
Eigentlich haben Sie diese Auszeichnung ja (noch?) nicht verdient. Ob Susanne Osthoff, Helmut Dietl oder unser großes Vorbild Helmut Schmidt: Wer zu Ihnen in die Sendung kommt, zum gemütlichen Plausch am großen leeren Tisch, der darf dabei auch qualmen – wie sich das eben für gemütliche Plauschs bei guten Gastgebern gehört. Nicht das Qualmen, Gott bewahre, aber daß es erlaubt ist.
Dafür hätten wir Ihnen fast eine goldene Zigarette verliehen – wenn es nicht höchstwahrscheinlich längst strengstens verboten wäre, Tabakwaren zu verschenken. Zumal an unter Achtzigjährige.
Doch dann gab Ihnen die Kanzlerin die Ehre. Und unsere liebe Frau von den Engeln wurde von Ihnen, ganz unpassend zu dem sonst wie üblich belanglos-gemütlichen Plausch, aufs Schärfste ins Verhör genommen, warum man denn noch kein umfassendes Rauchverbot zustande bekommen hätte. Wie die Politik auf diesem Gebiet bislang versagt habe, das erschien Ihnen, verehrter Herr Beckmann, als exemplarischstes Beispiel für die Schwäche unserer regierenden Elite und das Rumgewurschtele der Großen Koalition. Für die Lähmung der Bundesrepublik, insbesondere durch den Föderalismus. Fast dünkte uns, Sie sähen es lieber, wenn es hieße: „Ein Volk – ein Reich – ein Rauchverbot!“
Das Sein bestimmt bekanntlich das Bewußtsein. Und bei Ihrer sozialen Stellung ist es nur zu verständlich, daß Sie die Frage eines Rauchverbots für eines der brennendsten Themen im Deutschland unserer Tage halten. Für jenes Problem, das Millionen Menschen von früh bis spät – und sicher auch noch tief in der Nacht – umtreibt. Dies würde dann auch Ihr ungewohntes Verhalten erklären: Wie Sie da immer und immer wieder nachbohrten, alle Achtung, das hatte schon fast Ähnlichkeit mit Journalismus!