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Was kommen wird

 

Eigentlich können die Freunde des Tabaks den Kreuzzüglern wider das Rauchen dankbar sein. Denn durch letztere dürfte der Tabakgenuß eine deutliche Aufwertung erfahren: War er bisher ein banales Vergnügen, bei manch einem auch schnöde Befriedigung einer Sucht, avanciert er nun zum Ereignis und Abenteuer.

Schon immer konnte man erleben, welch wohliges Gemeinschaftsgefühl entstand, wenn sich eine Runde zusammenfand, in der die meisten oder gar alle rauchten. Nicht von ungefähr galt der kollektive Tabakkonsum vor allem in den seligen sechziger Jahren als Gipfel der Geselligkeit. Viele Filme und Fernsehproduktionen aus jener Zeit zeigen dies: Kaum setzen sich mindestens zwei Menschen zueinander, werden die Glimmstengel angezündet. Und gern auch Gläser mit Spirituosen gefüllt.

Gesund war das mit Sicherheit nicht. Aber augenscheinlich sehr gemütlich. Und ob die Menschen damals nicht glücklicher waren, als sie nicht meinten, rund um die Uhr an ihre „Fitness“ denken zu müssen?

Künftig können sich die Raucher als Teil einer verschworenen Gemeinschaft fühlen. Zudem als Menschen, die trotzig etwas tun, von dem ihnen dauernd und überall erzählt wird, daß sie es ganz, ganz dringend lassen sollten. Die Attraktivität des Tabaks für Jugendliche werden diese ewigen Erziehungsversuche wahrscheinlich stark steigern: Was könnte das Rauchen – und bald auch jeglichen Alkoholkonsum – verlockender machen, als ihn erst Achtzehnjährigen zu erlauben? Ihn also zum Beleg des Erwachsenseins zu befördern?

Ganz abgesehen davon, daß es kaum eine Möglichkeit gibt, etwas für Heranwachsende noch interessanter zu machen, als groß „Gefährlich!“ heranzuschreiben.

Welch weites Feld für Mutproben nie gekannter Art sich da öffnet: Rauchen an Orten, an denen es verboten ist – also nahezu überall. Nun wird die Zigarette endgültig zum festen Accessoire eines jeden Rebellen.

Doch auch wer die Regeln befolgt – und gerade in Deutschland sollte man stets befolgen, was einem die Obrigkeit vorschreibt –, könnte eine Aufwertung des Nikotinkonsums erleben: Da man nur noch an wenigen, ausgewählten Stellen rauchen darf, dürfte der Tabakgenuß zum Ereignis avancieren, einem kleinen Höhepunkt des Tages.

Neben dieser neuen Kultur des Tabakgenusses könnte auch eine neue Kultur der heimischen Gastlichkeit entstehen. Denn wozu Lokale aufsuchen, welche nicht wahrhaft gastliche Stätten sind, da man dort in Permanenz bevormundet wird? Warum sich dann nicht lieber Zuhause treffen, wo man in geselliger Runde konsumieren kann, wonach einem der Sinn steht? Und nicht ausschließlich, was Wächter der Gesundheit und Sittsamkeit als gerade noch zulässig erachten. Deren Verhältnis zur Realität man auch daran erkennen mag, wie sie sinkende Verkaufszahlen für Zigaretten auf die eigene Schulter klopfend als einen ihrer Erfolge verbuchen: Nicht im Traum scheinen sie auf die Idee zu kommen, daß im Gegenzug mehr unversteuerte Glimmstengel konsumiert worden sind. Und daß unter jüngeren Leute das Rauchen simpler Zigaretten tatsächlich nicht mehr so in Mode scheint – in diesen Kreisen kifft man lieber oder greift zur Wasserpfeife.

Mit Sicherheit wird man in Zukunft noch häufiger antreffen, was es jetzt schon in wachsendem Maße gibt: Zu Privaträumen erklärte Hinter- und Nebenzimmer von Läden und Lokalen, Vereinstreffpunkte, zu denen nur Mitglieder Zutritt haben – und dauerbetroffene Prinzessinnen auf der Erbse womöglich nicht lang Mitglied bleiben. Allesamt Räumlichkeiten, die zur Straße hin gern mit von der Rückseite aus durchsichtigen Spiegeln oder anderen Sichtblenden abgeschirmt werden. Oder gleich illegale Gaststätten – in denen die Möglichkeit, ungehemmt dem Tabakgenuß zu frönen, den Nervenkitzel des Besuches noch erhöht. Welcher sich natürlich auch daraus erklären kann, daß man sich bewußt macht, wie es in solchen Lokalen zuweilen um die Notausgänge bestellt ist.

Ja, vielleicht erlebt die „schwarze“ Kneipe einen besonderen Aufschwung, wie schon im Amerika des – bald wird man vermutlich sagen müssen: ersten – nationalen Alkoholverbots.

Denn nur naive Gemüter können glauben, die Lungenretter und Menschheitsbeglücker, die Bevormunder und Bürokraten und nicht zuletzt die Politiker, die jede Möglichkeit nutzen, Politik und Tatkraft zu simulieren, würden es beim Kreuzzug gegen das Rauchen belassen.

Ihnen geht es um Weltverbesserung und Umerziehung. Der immer wieder lauthals eingeforderte Nichtraucherschutz ist dabei nur ein wohlfeiler Vorwand.

Man darf sich schon auf die Argumente freuen, mit denen gegen Kau- und Schnupftabak zu Felde gezogen werden wird, sollte dessen Umsatz im Zuge der Hexenjagd auf die Raucher steigen. Gesundheitsschädlich ist dieser Tabakkonsum natürlich auch. Aber doch schwerlich damit zu verteufeln, daß er Unschuldige mitreißt in einen Abgrund aus Not und Elend, Krankheit und Tod.

Aber vielleicht stellen ja – vornehmlich amerikanische – Wissenschaftler fest, daß beim Tabakkauen giftige Substanzen in die Luft freigesetzt werden. Unbeschreiblich giftige.

Und ist Alkohol nicht leicht flüchtig?

Dunsten Trinker den Fusel nicht wieder aus?

Nur starke Trinker?

Freuen Sie sich auf die überraschenden Erkenntnisse über die unfaßbaren Gefahren des Passivtrinkens. Selbstredend bereits bei einem einzigen Glase Wein. Über die Feinstaubbelastung durch Kaffeemühlen. Über die todbringende Wirkung von Koffein (schließlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache). Und natürlich, wie all dies die Klimakatastrophe nicht nur verschlimmert, sondern vermutlich verursacht. Zusammen mit Glühbirnen.

Nehmen Sie also allmählich Abschied vom vertrauten Gaststättenbesuch. Sollten wirklich Lokale überleben, dann wahrscheinlich nur als koffein-, zucker- und fettfreie Milchbars, in denen selbstverständlich nicht geraucht und auch kein Alkohol getrunken werden darf. Und die spätestens um 22 Uhr schließen.

Der Kreuzzug gegen das Rauchen ist nur der Anfang. Die Kampagne gegen die Gemeingefährlichkeit des Alkohols schwillt bereits allerorten an.

Auch legale Rausch- und Genußmittel konsumieren können Sie in einigen Jahren vermutlich nur noch bei sich daheim und in anderen Privaträumen. Solange der wachsame (und gesundheitsbewußte) Nachbar Sie nicht denunziert.

 

 

! – Leben kann tödlich sein. Fangen Sie besser gar nicht erst damit an.

 

 

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