Nanny des Monats
März 2007: Klaus Wowereit
Nun sollen auch Sie ausgezeichnet werden – nicht daß die Dame, die bei Ihnen die Gesundheitssenatorin geben darf, noch Ärger bekommt, weil sie geehrt wurde und der Chef nicht. Wo Sie den Titel doch mindestens genauso verdient haben.
Insbesondere seit Ihrer Wiederwahl leisteten Sie Enormes für die Stadt. Unvergeßlich allein schon, wie Sie, kaum waren Sie mit Ach und Krach im Amt bestätigt, zu einer einwöchigen Reise nach Namibia aufbrachen. Leider wissen wir bis heute nicht so genau, was Sie in dem Zwei-Millionen-Land von höchst überschaubarer Bedeutung gemacht haben – aber sicher war es ganz, ganz wichtig für Berlin. Zumal jetzt, wo Sie – als allererster Regierender Bürgermeister überhaupt – die Richtlinienkompetenz besitzen und Senatoren nach eigenem Gutdünken küren und feuern können.
Dank Ihres klaren, kompromißlosen Kurses in Sachen Rauchverbot werden bald vielleicht nicht mehr so viele vergnügungssüchtige Touristen an die Spree kommen. Erst recht nicht so verzottelte junge Leute, die sich bisher freuten, daß man in Deutschland ein so ungewohnt entspanntes Verhältnis zum Tabakgenuß hatte. Dafür dürfte der Tourismus aus Berlin einen Aufschwung erleben. Denn manches deutet darauf hin, daß die Berliner bald zum Feiern nach Sachsen-Anhalt, Polen oder gar Niedersachsen fahren müssen, in die neue Partymetropole Hannover.
Man hätte es aber auch ahnen können, verehrter Herr Wowereit: Passend zu Ihrer asketischen Lebensführung, für welche Sie mittlerweile im ganzen Land bekannt sind, versuchen Sie sich nun, als Vorkämpfer für eine besonders züchtige Lebensführung zu profilieren. Und Berlin zu einem Kompetenzzentrum für Gesundheit zu machen. Und für Nannydiktatur.
Bravo, darauf haben die Berliner am sehnlichsten gewartet! Das hat sie am meisten umgetrieben. Arbeitslosigkeit, Verarmung, Kriminalität, leere Kassen, schlechte Schulen, vergraulte Investoren, verlorene Jobs, nicht genutzte Zuschüsse, eine überlastete Justiz – Kinkerlitzchen! Daß bald fast nirgends mehr geraucht werden darf, das rechnen Sie sich selbst, in aller Bescheidenheit, als eine der Herkulestaten an, welche Sie im letzten halben Jahr vollbracht haben. Während die ignorante Öffentlichkeit sich dem falschen Eindruck hingab, der Senat täte gar nichts und die oppositionelle CDU bestimme die politische Tagesordnung. Was viel heißt, wenn man den Zustand kennt, in welchem sich diese Partei in Berlin befindet.
Sicher wird der Versuch, „das Rauchen aus der Öffentlichkeit zu verbannen“, wie das immer so schön heißt, ungefähr genauso erfolgreich, wie jener, den Hundekot von Berlins Straßen zu bekommen. Denn sicher werden Sie ganz viel Personal zur Verfügung stellen, damit die von Ihnen angedrohte „strenge Regelung“ auch umgesetzt werden kann. Mit der Kontrolle von Restaurant- und Imbißküchen soll es ja demgegenüber nicht zum besten bestellt sein, nicht zuletzt weil Ihr Senat, verehrter Herr Wowereit, die Mittel dafür gekürzt...
Aber man muß eben Prioritäten setzen. Und wir sehen schon, wie nachts um eins Spezialkommandos auf Raucherjagd, pardon: Nichtraucherschutzmission, Diskotheken, Bars oder orientalische Cafés stürmen, weil zu befürchten steht, daß dort jemand geraucht haben könnte. Dann ist Berlin zwar noch immer arm, und nicht einmal mehr sexy, dafür aber gesund!
Danke, Herr Wowereit, tausend Dank. Unsere Auszeichnung haben Sie sich redlich verdient. Und nicht vergessen, als nächstes den Alkohol zu verbieten! Vielleicht nach dem nächsten Fast-Wahldebakel?