Nanny des Monats
Januar 2007: Markos Kyprianou
Als Kommissar der Europäischen Union, unseres glorreichen, geliebten Vaterlandes, des freiesten, fortschrittlichsten, gesündesten der Welt (demnächst sogar mit einer Verfassung versehen – ob wir nun wollen oder nicht), machen und reden Sie das, was man eben so macht und redet, wenn man Politkommissar der Europunion ist (bevor man möglicherweise umsattelt zum noch höher bezahlten Berater gewisser Industrien und Verbände). Zumal als der Politkommissar, der über unsere Gesundheit wacht. Als solcher kommen Sie zwar nicht so recht voran mit der Eindämmung gefährlicher Chemikalien oder mit der Reduzierung des Gifts in unserem Essen. Aber was ist das schon gegen die immensen Gefahren des teuflischen Tabaks? Dem haben Sie nun wieder einmal hochoffiziell und kühn den Krieg erklärt. Und dem Satan und seinen Anhängern furchtlos die Frage entgegengeschmettert: „Ist Rauchen nicht absurd?“
Gern würden wir Ihnen darauf antworten. Ausführlich und ehrlich. Gern würden wir Ihnen, umgehend und unumwunden, darlegen, weshalb man raucht, weshalb das eine Freude und ein Genuß sein kann. Unter Abwägung der Vor- und Nachteile. Woraufhin man sich durchaus freiwillig dafür entscheiden kann – ganz ohne von irgendeiner bösen Industrie und ihrer Weltverschwörungszentrale dazu gezwungen worden zu sein –, zum Glimmstengel zu greifen. Dessen Rohstoff ja übrigens mit Subventionen unserer glorreichen Europäischen Union produziert wird.
Aber leider haben Sie und die anderen Menschheitsbeglücker doch längst dafür gesorgt, daß dies illegale Werbung für den umgehend tödlichen Tabakkonsum darstellen würde. Schließlich leben wir ja in keinem freien Land. Äh, also keinem tabakfreien. Noch nicht. Ogottogott, wie komm ich aus der Nummer wieder raus?
Lang lebe die Europunion, unser gesundes Vaterland!
Höchste tschekistische Wachsamkeit!
Tod allen Trotzkisten!
Oder so.