Die Politik handelt
(22.8.07) Heute erfreute die RBB-Abendschau wieder mit einem Thema, das seit einigen Monaten nicht nur bei ihr zu den liebsten zählt: Der schlimme Alkoholmißbrauch. Von Jugendlichen. Zwar wird in dem Beitrag überraschenderweise zugegeben, daß nicht so recht klar ist, was eigentlich passiert ist. Aber in jedem Falle waren ein dreizehn- und ein vierzehnjähriges Mädchen schwer betrunken, was wirklich nicht schön ist. Aber doch eine hervorragende Einleitung (und natürlich Begründung) darstellt zur neuesten Aktion unserer geschätzten Gesundheitssenatorin. Diese wird sich nämlich der dem Vernehmen unablässigen Alkoholexzesse von Jugendlichen annehmen, zusammen mit der „Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin“. Und was gedenkt man da zu tun? Wir zitieren von der Website der Abendschau: „Infocards und Aufkleber in verschiedenen Sprachen sollen künftig in Supermärkten, Tankstellen und Discotheken an den Jugendschutz erinnern.“ Ui, na dann kann ja nichts mehr passieren. Nicht nur Infocards (was auch immer das sein mag), sondern auch noch Aufkleber! Und damit nicht genug: Ebenfalls, so heißt es weiter, appellierte die Frau Senatorin an die Verantwortung der Eltern.
Da ich manchmal etwas verwirrt bin, kommt mir gerade in diesem Moment in den Sinn, daß die Stelle des Amtskinderarztes von Neukölln in Kürze unbesetzt sein wird. Des einzigen Mediziners, der sich von Staats wegen um gut 40.000 Kinder und Jugendliche in dem Problembezirk kümmern soll. Eine Aufgabe, die – wohl nicht zuletzt dank ihrer finanziellen Ausstattung – so attraktiv ist, daß sich im Laufe mehrerer Monate auf die Ausschreibung hin nicht ein einziger Bewerber gemeldet hat.
Aber Frau Senatorin kann sich ja nicht um alles gleichzeitig kümmern. Vermutlich fällt derlei, wie damals die Sache mit dem Gammelfleisch, auch mal wieder nicht in ihre Zuständigkeit. Und dann macht es doch auch viel mehr Spaß, eine schöne Pressekonferenz zu geben, vor Kameras und Mikrophonen allerhand zu erzählen, Aufkleber und Infocards und ähnlichen Kram drucken zu lassen und irgendwo zu verteilen. Und nörgelnden Bürgern dann mit gutem Gewissen sagen zu können: Was wollen Sie denn? Wir tun doch was!
Dann wollte auch noch der Herr Innensenator mal wieder in die Medien. Zum Beginn des Prozesses gegen einen jungen Mann, der einen anderen erstochen haben soll, wiederholte der Herr Innensenator seinen Vorschlag, das Waffengesetz zu verschärfen.
Ja, es ist eine gute Idee, das Tragen bestimmter Messer zu verbieten. Ich habe da noch eine viel bessere, Herr Innensenator: Man sollte auch das Benutzen bestimmter Messer verbieten. Und von Messern generell. Auch das Drohen damit. Überhaupt sollten Mord und Totschlag untersagt werden. Zumal das doch immerhin viel leichter zu kontrollieren und durchzusetzen wäre als die Polizei damit zu beschäftigen, jeden Jugendlichen, der ihr über den Weg läuft, zu durchsuchen.
Ich werde übrigens auch demnächst öfter zur Flasche greifen und mich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Wenn ich mir noch ein paarmal solche „Berichte“ ansehen muß.
P.S.: Mit der gebetsmühlenartigen Wiederholung des Begriffs VERBOTEN VERBOTEN VERBOTEN könnten Frau Senatorins Zettelchen aber womöglich doch noch zum Renner unter Jugendlichen werden: Wann findet man schon mal so schön zusammengefaßt, was es alles an gibt an kleinen Mutproben, Möglichkeiten zum Opponieren, um Erwachsene zu ärgern oder zu zeigen, wie erwachsen man selbst bereits ist?