Das Wegbier kommt nicht weg
(20.8.07) Gestern überraschte die von mir so geschätzte RBB-Abendschau, welche hier natürlich stets nur als Beispiel für alle möglichen anderen Medienprodukte behandelt wird, mit einem Beitrag übers „Wegbier“. „Weg“ mit langem „e“, nicht etwa „weg“ mit kurzem. Denn womöglich hatten einige Aufsichtspersonen in der Abendschau-Redaktion gestern frei, und deshalb äußerte man sich in völlig ungewohnter Weise über Bevormundungs- und Umerziehungsversuche, allen voran einiger Herrschaften in der Brandenburger und Berliner CDU, welche den Alkoholgenuß in der Öffentlichkeit verbieten wollen. Was dann wohl, wie man in der Sendung meinte, zu „amerikanischen Verhältnissen“ führen würde: Es wird weiter gesoffen, aber die Flasche in ein Tütchen gesteckt.
Eine Befragte kommentierte dies: „Einfach nur lächerlich – weil jeder weiß, was drin ist! Und bringt doch gar nichts.“
Was natürlich nicht stimmt. Denn warum sollten wir ausgerechnet diesen Unfug von unseren Freunden im freisten und klügsten (und fittesten!) Land der Welt nicht importieren? Zumal wir in diesem Zusammenhang auch mal etwas exportieren könnten: Tüten, in die man sein Bier stecken muß, und auf denen steht: „Kein Bier“. Damit wären dann alle Fragen geklärt und man hätte der Sittsamkeit Genüge getan.
Eine andere Dame wagte einen glasklaren Blick in unsere absolut – strikt – total gesunde Zukunft unter der Nannydiktatur: „Wenn jetzt Schokolade verboten wär, weil sie süchtig macht, würde ich mir die Schokolade in eine Chipstüte tun.“ Die Ärmste ahnt nicht, daß dann – schätzungsweise 2020 – Kartoffelchips auch längst verboten sein werden.
Ein Herr meinte zum Mäntelchen fürs Bier gar: „Das ist verlogen. Doppelmoral. Also amerikanischer Standard.“
Mir ist absolut unbegreiflich, wie man nur zu so einer Ansicht gelangen kann.