Die Tabakbestien töten unsere Kinder!
(19.8.07) Der WDR weiß etwas zu vermelden, das ihm so wichtig deucht, daß er es sogar vorab in seinem Videotext verbreitet. Wir zitieren (und zwar nicht etwa von einer Seite, die offiziell der Programmvorschau gewidmet wäre, sondern aus einem Nachrichtenbereich): „Aggressive Zigarettenwerbung – Das WDR-Wirtschaftsmagazin ‚markt’ berichtet in der nächsten Sendung am Montag über Verstöße der Tabakindustrie gegen ihre Selbstverpflichtung in Sachen Jugendschutz. Besonders drastisch: Ein Vierjähriger aus Köln erhält Post von Marlboro, versehen mit eindeutiger Zigarettenwerbung. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), erwägt ein Plakat-Werbeverbot für Zigaretten, falls sich die Tabakindustrie nicht an ihre Selbstverpflichtung in Sachen Jugendliche halten sollte.“
Da kann man es sehen: Die Tabakbestien töten unsere Kinder! Tötet die Tabakbestien! Vierjährige zum Rauchen gezwungen! Auch wenn sie den Reklamebrief womöglich noch gar nicht lesen konnten. Aggressiv! Angriff auf unsere Kinder! Krieg gegen unsere Kinder! Die Zukunft unseres Volkes!
Wenn man einmal auch nur kurz nachdenken würde, würde man sich sagen, daß der „besonders drastische“ Fall eigentlich besonders harmlos ist. Denn vermutlich kann der Vierjährige den Reklamebrief noch nicht mal lesen. Geschweige denn Feuer machen. (Sollte dennoch beim Versuch dazu die Wohnung abbrennen, wäre das natürlich weitere Munition gegen das Tabakgenuß.) Und vermutlich dürften der Tabakindustrie weitere Werbeverbote gar nicht so unrecht sein. Zementieren sie doch den Markt, da die Einführung neuer Produkte nahezu unmöglich wird. Will heißen: Konkurrenz ist nicht mehr zu (be)fürchten. Aber von Fanatikern kann man natürlich nicht erwarten, daß sie auch nur die simpelsten Zusammenhänge erkennen.
Ferner ist es schön zu erfahren, daß frau offenbar in der SPD auch ohne Doppelnamen etwas werden kann. Und noch viel mehr, daß Frau Bätzing der WDR-Meldung zufolge über absolute Macht verfügt – jedenfalls scheint sie Werbeverbote nach eigenem Gutdünken verhängen zu können. Im übrigen nehme ich Wetten an, wann Frau Bätzing (oder ihre Nachfolgerin) und ihre Mitstreiter völlig überraschend feststellen werden, daß sich die Tabakindustrie nicht an die Selbstverpflichtung gehalten hat. In zwei, in drei, gar erst in vier Jahren? (Ich wette jedoch nicht darauf, daß dies nie geschehen wird – dann könnte ich mein Geld ja gleich ins Klo werfen. Oder, noch schlimmer, einer Partei spenden.)