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Der Mensch lebt von der Aufklärung allein

(2.7.07) In Berlin wurde heute der erste „Krebsatlas“ vorgestellt. Die Zahl der Neuerkrankungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Besonders betroffen sind die sozial schwächsten Stadtteile. Was könnten die Gründe dafür sein?

Schlechtes Essen (womöglich nur von gewissen Märkten), kaum Bioprodukte, deprimierende Lebensumstände, kein Geld mehr für irgendwelche Freizeitunternehmungen, am Ende nicht mal für den Sportverein, und selbst Arztbesuche überlegt man sich zweimal, seit unter Maßgabe der SPD (das soll übrigens stehen für „sozialdemokratische Partei“, so unglaublich es klingt) die zehn Euro Eintritt eingeführt worden sind? Also kein Wunder, wenn die Leute Krebs kriegen?

Doch nein, so ist das nicht. Der wichtigste, wenn nicht der einzige Grund für die hohe Krebsrate in Berlins elendsten Bezirken ist: Dort wird soviel geraucht.

Nun hätte man vielleicht gern erfahren, woher denn die ganzen armen Leute das Geld haben, wo doch Zigaretten mittlerweile sehr teuer sind, dank immer neuer Nannysteuern (die uns dann, wir erinnern uns, vor glutäugigen Terroristen schützen sollen). Doch um das zu erklären, hätte man ja mal nachdenken müssen. Oder gar fragen. Womöglich kritisch, der Himmel bewahre! Das hätte am Ende in Journalismus ausarten können. Mitten in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt!

Also widmete sich der Bericht in der RBB-Abendschau weiter vor allem dem argen Tabakkonsum in gewissen Vierteln. Und was brauchen die Menschen dort folglich? Bessere Schulen, sauberere Straßen, höhere Hartz-IV-Sätze, wenigstens keine weiteren Kürzungen der Ausgaben für Kultur und Soziales, gar Lehrstellen und Arbeitsplätze?

Nein, was sie am allerallerdringendsten benötigen, ist bessere Aufklärung über die Gefahren des Rauchens. Da muß dann auch ganz schnell mehr Geld fließen. Und Personal abkommandiert werden. Aufklärungspersonal. Das sich den lieben langen Tag auf Steuerzahlerkosten mit Umerziehung beschäftigt. Gerade für die Migranten, zumal die meist einen orientalischen Hintergrund haben, und nicht genügend sensibilisiert sind.

Man könnte natürlich auch fragen, warum sich die Berliner Gesundheitssenatorindarstellerin auf ihrer Website zitieren läßt: „Vor allem Lungenkrebserkrankungen nehmen zu. Dies ist ein alarmierender Trend, der dadurch fortgesetzt wird, dass Mädchen immer früher mit dem Rauchen beginnen.“ Derweil die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gerade letzte Woche von einer „deutlich sinkende(n) Zahl der Jugendlichen, die mit dem Zigarettenrauchen anfängt“, sprach.

Aber dann hätte das heutige Gegacker ja nicht mehr ein so schönes Beispiel dafür abgegeben, wie mit Raucher-Hexenjagd und Nikotin-Hysterie von den wirklichen Problemen und Sorgen abgelenkt wird.

 

 

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