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ER mag keine Nannies!

(12.6.07) Just als man heute anhob, in der RBB-Abendschau die neueste Nannygesetzgebung zu verkünden („Rauchen wird weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt“ – ui, ich bin zutiefst beeindruckt!), ging ein schweres Gewitter nieder und das Fernsehprogramm fiel für mehrere Minuten aus.

Ich nehme dies als Zeichen von GANZ oben.

 

Adlershof in Charlottenburg

(13.6.07) Auch wenn – siehe den letzten Eintrag – göttlicher Zorn mich treffen mag: Wie von der blonden Ansagerin gleich zu Beginn der gestrigen RBB-Abendschau alles zusammengerührt wurde, was zu einer zünftigen Nannykampagne gehört, diese überaus hohe Konzentration der Standardzutaten von Hexenjagden und Hysterie (akute Gefahr, Rettung aus höchster Not, Lebensbedrohung, Opfer einer teuflischen Substanz und mindestens ebenso teuflischen Treibens, hartes Durchgreifen) – das ist so mustergültig, daß ich es der Nachwelt festhalte möchte. Zudem es mich, als ich es in der Wiederholung endlich sehen konnte, fast Tränen lachen ließ:

„Guten Abend und herzlich willkommen, meine Damen und Herren. Drei Männer und eine Frau sind heute in Berlin gestorben. [Schock wirken lassen, Kunstpause.] Sie waren Raucher. [Betroffen gucken. Aber auch mißbilligend.] So wie die vier, die den morgigen Tag nicht überleben werden. [Akute Gefahr!] Aufs ganze Jahr gerechnet sind das 1830 Todesfälle. [Was bei rund 3,4 Millionen Einwohnern allerdings bedeutet, daß lediglich gut 0,05 Prozent aller Berliner an Tabak sterben. Für Medienschaffende: Drauf vertrauen, daß niemand nachrechnet!] Zahlen, die richtig Angst machen [Immer schön den doofen Zuschauern sagen, was sie zu denken und zu fühlen haben! Für den Fall, daß sie selbst nicht drauf kommen oder die zuvor aufgebauschten Zahlen noch nicht genug gewirkt haben.], und auch den Senat veranlaßt haben, zu handeln. [Ja, endlich! Und da sage noch einer, unsere Politiker täten nichts!] Als Vorreiter [klingt immer gut] vor allen anderen Bundesländern beschloß Rot-Rot [Wer würde sich mit dem Verbieten und Bevormunden besser auskennen?] heute eines der härtesten [Nehmt dies, ihr dreckigen Raucher!] Rauchverbote zum Schutz [von Volk und Vaterland?] aller, die nicht Nikotinopfer werden wollen. [Danke, daß ihr uns gerettet habt, SPD und PDS!]“

Da kann man nur ein dickes Lob aussprechen: Auch wenn die Abendschau noch immer aus Charlottenburg gesendet wird – in Adlershof hätte man das dereinst nicht besser machen können.

In dem so angesagten Film wußte die vom RBB beauftragte Person dann zu verkünden, für die Durchsetzung des „harten“ Gesetzes würden „Ordnungsamt und Polizei sorgen“. Nicht ganz ins Bild paßte freilich Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky, der ja öfter mal auf Tatsachen zu sprechen kommt und damit Dinge sagt, die man auch und gerade in seiner SPD nicht gern hört. Diesmal wies er darauf hin, daß sein Bezirk keinerlei Personal zur Verfügung habe, um – womöglich spätabends oder nachts – Rauchkontrollen in Gaststätten durchzuführen. Wenn der Senat solche Überwachung wolle, solle er Stellen bzw. das Geld dafür zur Verfügung stellen.

Dieses unangenehme Thema wurde dann lieber nicht verfolgt, dafür einer unserer Menschen präsentiert, der die neuesten Maßnahmen der Staats- und Parteiführungen zum Schutze von Volk und Staat lebhaft begrüßte. Und wußte: „In Schottland sind jetzt alle dafür.“

Nachdem er derart nicht nur sämtlicher Gegenargumente, sondern selbst der geringsten Zweifel entblößt worden war, konnte der Zuschauer nur noch zur Kenntnis nehmen, wie das finstere Loch zu beschaffen sein hat, in welchem sich Tabakterroristen noch eine Zeitlang zusammenrotten dürfen, um ihrer satanischen Sucht zu frönen: „Der Raum muß abgeschlossen und gekennzeichnet sein.“ (Letzteres gilt in wenigen Jahren sicher auch für Raucher.)

Nach dieser geballten Dosis Volksaufklärung und Agitation mußte ich erst einmal versuchen, mich zu sammeln. 1830 Tabaktote pro Jahr. Und wie viele davon sind durchs Passivrauchen gestorben? Und wie viele wiederum von diesen arbeiteten in der Gastronomie? Bei ein paar tausend Gaststätten in Berlin? Wie viele wiederum von diesen waren Nichtraucher, die eines besonderen Schutzes bedürfen? Um den es ja überhaupt nur geht, denn hier ist Schutz angesagt, nicht Umerziehung. Ja, äh. Also, da kann man ja von Glück sagen, daß mit den grandiosen Maßnahmen des rot-roten Senats womöglich ein Nichtraucher vor dem Nikotintod gerettet wird. Pro Jahrzehnt.

 

 

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