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Hamburger töten! FDP verbieten!

Lieber RBB!

Deine Berliner Abendschau lieferte heute (am 7.6.07) mal wieder ein Meisterstück ab, welches man allüberall nur ehrfurchtheischend umherzeigen kann. Denn selbst in unserer zunehmend trübsinnigen Medienlandschaft findet man doch eher selten so hemmunglose Hetze und so plumpe Propaganda.

Die furchterregenden Fakten: Mitten im östlichen Kreuzberg, einer bislang burgerbefreiten Zone, möchte einer der beiden Giganten amerikanisch geprägter Systemgastronomie eine Filiale eröffnen. Dagegen wehren sich manche Anwohner mit teils schrillen Tönen und wüsten Drohungen. Nun schauten einige FDPler, mitsamt ihres Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus, an der Ecke vorbei und verteilten Hamburger – „Freie Burger für freie Bürger“, ha-ha.

So weit, so eigentlich belanglos – zumal die Aktion auf keine große Resonanz gestoßen sein soll. Nicht mal protestieren wollte jemand gegen den Protest. Normalerweise ist das bestenfalls eine Kurzmeldung. Außer vielleicht am Wochenende, wo es in der Regel nichts zu berichten gibt, und Ihr immer allergrößte Mühe habt, die Sendezeit irgendwie zu füllen.

Mitten in der Woche jedoch, an einem Tag, der in Berlin kein Feiertag ist, bekam man heute einen Beitrag von – samt Anmoderation – fast drei Minuten Länge zu sehen. Der sich auch gar nicht, nicht einmal ansatzweise, mit jenen Argumenten beschäftigte, die es sehr wohl gegen Fast Food gibt (außer natürlich es ist multikulturell wertvolles Döner), gegen Fast-Food-Ketten oder gegen den Bau einer Filiale einer solchen an der Kreuzberger Wrangelstraße. Wobei es eigentlich am schönsten wäre, würde die Sache auf zivilisierte Weise gelöst: Die bauen ihre Bude, aber niemand geht hin. Machen sie sie also bald wieder zu, nach dicken Verlusten. Ha-ha. Wer Brandsätze besser findet, übersieht: DEN Schaden zahlt vermutlich irgendeine Versicherung.

Allerdings müßte man für eine solche Lösung auf mündige Bürger vertrauen. Und das wollte auch Euer eine Journalistin parodierendes – , pardon, ich meine natürlich: diese sicher Diplom-Qualitätsjournalistin nicht, deren größte Leistung eigentlich war, daß sie es verhindern konnte, ihren Geifer ins Mischpult oder andere kostbare elektronische Geräte tropfen zu lassen. Hätte die FDP für Raucherräume demonstriert, hätte sich das Fräulein vermutlich – wütend und traurig – in die Luft gesprengt. In einer endlosen Litanei, wie man sie seit dem November 1989 im deutschen Fernsehen nicht mehr oft erleiden mußte, erging sich die Dame in immer den gleichen Vorwürfen: Hamburger sind fettig, also eklig, Hamburger machen dick, also eklig, Hamburger verderben unsere Jugend – denn vis-à-vis der beabsichtigten Burgerbude steht eine Schule –, und wenn die FDP etwas von Selbstbestimmung und Kampf gegen Bevormundung faselt, dann hat sie kein Hirn.

FAST FOOD TÖTET!

Das wurde so nicht gesagt, aber suggeriert. Ebenso wie die Notwendigkeit umfassenden staatlichen Eingreifens zur Rettung von Gesundheit, Jugend, Volk und Reich.

Und deshalb, nur deshalb, widme ich diesem Paradebeispiel für Hexenjagd und Hysterie hier soviel Platz. Denn selten kann man bereits so deutlich sehen, was all jenen blüht, die sich gegen umfassende staatliche Entmündigung und Bevormundung zu wehren wagen. Auch und gerade vom Staatsfernsehen.

Für dessen wieder einmal unglaublich qualitätvolle Programmgestaltung würde ich gern spenden, denn die Zwangsgebühren, welche die GEZ von mir eintreibt, weil ich mich zuweilen in der Nähe eines Fernsehapparates aufzuhalten wage, sind noch lange nicht genug. Doch leider werde ich das Geld wohl lieber irgendeiner Hamburgerkette in den Rachen werfen, auch wenn ich die – aus guten Gründen – schon seit Jahren nicht mehr aufgesucht habe. Wer so dämlich ans Bein gepinkelt wird, für den wachsen bei mir solidarische Gefühle.

P.S.: Guter Journalismus wäre übrigens, würde man mal darauf hinweisen, daß an der fraglichen Stelle bereits seit vielen Jahren eine stinknormale Imbißbude steht (oder gestanden hat?) – mitten am Weg zwischen der Schule und dem Hochbahnhof, welchen die meisten Schüler benutzen dürften. Wer also mal wieder an die Kinder denkt, oh mein Gott, könnte vielleicht erklären, warum diese Frittenbude nicht Generationen von jungen Menschen ins Elend gestoßen und zu einem frühen, gleichwohl furchtbaren Tod verdammt hat, wie es nun von der Hamburgerhütte erwartet wird.

 

 

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