Erst Schiffe versenkt, dann den Opa ersäuft
(11.5.07) Den Medien entnehme ich: Die unionsregierten Länder haben gefordert, die Herstellung und Verbreitung von gewaltverherrlichenden Computerspielen unter Strafe zu stellen. Notwendig sei ein eigener Tatbestand im Strafgesetzbuch, um die Verbreitung sogenannter Killerspiele einzudämmen, sagte der hessische Innenminister Bouffier. Verstöße gegen den Jugendschutz müßten künftig mit bis zu 500.000 Euro statt bislang maximal 50.000 Euro geahndet werden. Nur ein strafrechtliches Verbot schrecke ausreichend ab, sagte Bouffier.
Ach, dann doch besser gleich fünf Millionen Strafe! Nur fürs Spielen. Oder fünfzig Millionen. Dann wird’s noch abschreckender.
Es wird schon niemand fragen, ob jemals jemand auch bloß 50.000 gezahlt hat. Oder wie die Justiz abstruse Summen eintreiben soll, etwa von Jugendlichen. Und es ist schön, daß Herr Bouffier soviel Vertrauen hat: Vertrauen darauf, daß er Leuten, die noch immer vor dem Computer Angst haben oder sich die E-Mails (ebenfalls?) von ihrer Sekretärin öffnen lassen, alles erzählen kann.
Vielmehr treibt mich deshalb die Sorge um, weshalb der Minister und seine Unionskollegen auf halber Strecke stehenbleiben wollen. Sind sie etwa scheißliberal geworden? Weicheier?
Wo bleibt das Verbot so gewaltverherrlichender, menschenverachtender Spiele wie Schiffeversenken? Gefühllos werden darin die Boote von Gegnern vernichtet, welche man als Feinde betrachten soll, statt sich zu bemühen, sie zu Freunden zu machen! Im Geiste von Vergebung und Versöhnung. Und kein einziger Gedanke wird an all die Opfer verschwendet! Und deren Angehörige!
Das ist Erziehung zur Unmenschlichkeit!
Herr Bouffier, greifen Sie ein! Fordern Sie 500 Millionen Euro Strafe! Warten Sie nicht, bis ein durchs Schiffeversenkenspielen verrohter junger Mensch den eigenen Opa ersäuft hat. Mit dem höhnischen Ausruf: „Getroffen!“ Oder Kinder, nach der Ansicht eines Hänsel-und-Gretel-Films, eine Seniorin in den Ofen geschoben haben.