Ulla (57) erklärt etwas
(27.4.07) Unsere geliebte Bundesgesundheitsministerin hat heute in unserem geliebten Bundestag für strenge Rauchverbote geworben.
Tausende Tote gäbe es durchs Passivrauchen. Ja, das glaube ich gern: Soviel könnten schon zusammengekommen sein im Laufe der letzten fünfhundert Jahre.
Rauchen sei „Gesundheitsgefahr Nummer eins“. Demzufolge die Sache dann ja, so schlußfolgere ich, ganz einfach ist: Tabak verbieten, schon ist die Krankenversicherung gerettet! Werden die Leute schön alt, gehen seltener zum Arzt, freut sich die Rentenversicherung, daß sie noch viel länger bezahlen darf. Alle anderen Gesundheitsgefahren sind zu vernachlässigen. Wären ja auch schwerer zu beseitigen.
Frau Ministerin weiter: Durch die strengen Rauchverbote sollten vor allem Kinder geschützt werden. Oh ja, oh mein Gott, man muß doch mal an die Kinder denken! Auch an Tierkinder. Jawohl: Wenn die Raucher so weitermachen, dann ist der süüüße Knut bald tot!
Dank der umfassenden Nanny-, pardon: Anti-Raucher-, pardon: Nichtraucherschutzgesetzgebung darf dann auch im Bundestag nie nicht nirgends mehr geraucht werden. Was ich gern glaube, denn einem ebenso bösen wie hartnäckigen Gerücht zufolge werden ja auf den Bundestagstoiletten ganz andere Dinge konsumiert …
Zudem war es eigentlich nie üblich, im Plenarsaal zu rauchen. Deshalb hat Helmut Schmidt dort ja immer Tabak geschnupft. Du liebe Zeit, Frau Ministerin für unsere Gesundheit, da müssen Sie sich ja auch noch was einfallen lassen! Irgendein Vorwand wird sich doch finden lassen, auch das zu verbieten. Natürlich streng wissenschaftlich. Wo bleibt eine Studie über die enormen Gefahren des Passivschnupfens?
Protest kam selbstverständlich von den Grünen. Nein, nicht etwa gegen Bevormundung, die Zeiten sind ja vorbei. Man ist ja mittlerweile staatstragend. Dem Vernehmen nach sprach Bärbel Höhn, ihres Zeichens stellvertretende Fraktionsvorsitzende (und eine unserer Nannies des Monats Oktober 2006!), von „Nichtraucherschutz light“. Genau, Frau Höhn: Noch immer müssen Tabakterroristen nicht damit rechnen, nach Guantanamo verschleppt zu werden!
Man könnte natürlich mal fragen, warum das Rauchen „Gesundheitsrisiko Nummer eins“ sein soll, wenn man doch gerade erst verbreitet hat, daß durch den bösen Alkohol jährlich 16.000 Menschen in Deutschland zu Tode kämen.
Ach, es ist schon mißlich, wenn man beim Schüren von Hysterie durcheinanderkommt, weil man mehrere Hexenjagden gleichzeitig veranstaltet.
Ein Glück bloß, daß nicht mehr ernsthaft zu befürchten steht, in den Medien könnte auf solche Widersprüche hingewiesen werden. Und am Ende womöglich das ganze Gegacker kritisch hinterfragt.
Und immerhin hat diese Regierendenerklärung eines erklärt: Bei diesen Rechenkünsten braucht sich niemand mehr zu fragen, wo die leeren Staatskassen herkommen.