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Sowas kann die schönste Hysterie verderben

(29.3.07) In der aktuellen Ausgabe der Berliner Stadtzeitung „Zitty“ (für die ich seit zwanzig Jahren arbeite, aber deren Beiträge auch nicht immer meine überschäumende Begeisterung finden) ist Interessantes zu lesen: Von Jugendlichen, die erst aus der Presse (der unabhängigen, objektiven) erfahren, wieviel sie getrunken, ach was: gesoffen haben sollen. Von einem Zeitungsphotographen, der den Schnaps selbst gekauft und unter den jungen Leuten verteilt hat, damit man sich hinterher in seinem Käseblatt über den schlimmen Alkoholmißbrauch empören konnte. Vom Leiter der Rettungsstelle in einem Krankenhaus, der sagt: „Früher hat man den Betrunkenen in die Schubkarre gelegt und nach Hause gebracht. Heute hat jeder ein Handy und ruft dann den Notarzt.“ Von Krankenhaussprechern, die jugendliche Komasäufer eher zu den Ausnahmen unter ihren Patienten rechnen. Auf die auch der gierigste Journalist offenbar nur mit Glück treffen dürfte.

Noch interessanter ist ein autobiographischer Bericht aus Schweden, seit Jahrzehnten dem gesegneten Land der Sozialdemokratie, nun, vollkommen überraschend, für die meisten Parteien das leuchtende Vorbild in Sachen umfassender staatlicher Bevormundung, welche uns direkt ins Paradies führen möge, in Ewigkeit amen: Vom ritualisierten Saufen, jeden Freitagabend, gegen das die Polizei so wenig einschritt wie sie bei uns in der Regel einschreitet, wenn jemand auf der Straße Alkohol konsumiert, obwohl auch dies mancherorts längst verboten ist. Von der Kreativitätsförderung, welche es für schwedische Jugendliche darstellte, wenn sie Strategien ersinnen mußten, an Alkohol zu kommen – was ihnen in der Regel gelang. Von der Zuverdienstmöglichkeit für ältere Freunde oder Geschwister, wenn sie den Stoff gegen Provision besorgten. Und von dem verkrampften Konsum, der dann folgte. „Verkrampft? – Sehr gut!“ wird nun die normale Nanny jubeln. Doch es bedeutete: So schnell so viel so wirksam saufen wie irgendmöglich. Schließlich wollte man etwas haben von dem Zeug, das man sich so mühsam erkämpft hatte - gegen den Widerstand der Nannies.

 

 

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